Meine Liebe zu Mass Effect

Es war dieses eine kleine Bild an der rechten unteren Ecke einer Doppelseite eines Spielemagazins, das meine Aufmerksamkeit erlangt hat. Ganz unscheinbar, einen kurzen Artikel zum dazugehörigen Spiel begleitend, nicht größer als der kleine Finger. Liebe auf den ersten Blick, sozusagen, und so war es tatsächlich.
Zu sehen war ein Alien, im Vordergrund, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, zusammen mit ein oder zwei Menschen, allesamt in futuristisch anmutenden Rüstungen gekleidet. Im Hintergrund eine der größten Raumstationen, die ich je gesehen habe, die sogar groß genug war, dass sogar ein See Platz auf ihr fand. Eine Raumstation, deren volle Größe sich selbst in dem kleinen Bild in der unteren Ecke einer Seite in einem Spielemagazin entfaltete.

Es sah wahrhaftig großartig aus, futuristisch, steril, und doch kein bisschen 08/15. Der Begleittext nannte das dazugehörige Spiel Mass Effect; über den Inhalt der Meldung kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es ging vermutlich um die damals erschienene PC-Fassung des genannten, ehemals der Xbox 360 vorbehaltenen Videospiels.
Stattgefunden hat diese erste Begegnung mit dem Franchise in einem Supermarkt im Sommer 2008; Hektik, Einkaufsstress, eine wartende Mutter – und so legte ich das Heft beiseite. In Vergessenheit geriet dieses eine Bild bei mir aber trotzdem nicht. Zu Hause begann ich mit der Suche nach dem Spiel, ich habe recherchiert, herausgefunden, dass es fantastisch sein soll, nur über den Kopierschutz und die deutsche Synchronisation hat man sich in den Rezensionen von Amazon & Co. aufgeregt.

Es dauerte nicht lange, da fand ich mich in dem Universum wieder, mitsamt meinen Begleitern Liara, Wrex und Garrus. Ich, Commander Shepard, letzte Hoffnung der Zivilisationen der Galaxis. Es hätte klischeehafter nicht klingen können, und doch hat Bioware keinesfalls ein stereotypisches Sci-Fi-Abenteuer erschaffen. Das Universum, das zwei Jahrhunderte in der Zukunft spielt und so realistisch, glaubwürdig und in sich absolut stimmig erzählt ist, auf das sogar das Erweiterte Universum von Star Wars neidisch sein kann, hat mich fest im Griff gehabt.
Wird man von der Komplexität eines Star Wars-Universums als Einsteiger völlig überfordert, gelingt Mass Effect ein perfekter Einstieg. Mit Hilfe des Kodex‘ werden dem Spieler Details, Historien und Tricks zum Meistern des Spiels erklärt – ohne jedoch für das Weiterbringen des Spielverlaufs auf den Kodex angewiesen sein zu müssen.

Mass Effect kann also ein simples Rollenspiel-Shooter sein oder das interessanteste, fiktive, mir bekannte Universum. Nun ruht sich Bioware auf den vielen tollen Geschichten aber nicht aus, die in dieses bis zu 70-stündige Spielerlebnis gepackt sind, sondern weiß auch gekonnt, sämtliche Charaktere, insbesondere Shepards Gefährten, mit emotionaler Tiefe auszustatten, sodass sich der Spieler unweigerlich mit ihnen verbunden fühlt.
Das alles, gepackt in eine für die „damaligen Verhältnisse“ unglaubliche Inszenierung, ergab für mich mein neues Lieblingshobby – quasi perfekt, und dennoch nicht stark genug, um bei mir Star Wars dem Rang abzulaufen.

Quelle: IntoThePixel.com; klicken für Großansicht

Auch wenn ich Mass Effect 2 als nicht so gelungen ansehe wie den Erstling, obwohl es immer noch fabelhafte Weltraumunterhaltung bietet, kam das Mass Effect-Franchise mit eben jenem Spiel an den Status von Star Wars bezüglich meines Beliebtheitsgrades heran. Gleichauf gab es für mich also zwei Lieblingsuniversen, wobei das eine immer stärker und das andere immer schwächer wurde.
Bevor ich gleich meine Meinung zu Mass Effect 3 niederschreibe, zunächst noch ein paar Worte über die auch von mir missverstandenen Qualitäten von Mass Effect 2:

Mass Effect 2 wurde von den Entwicklern immer wieder als das Empire Strikes Back der Trilogie beschrieben, was ich auf Grund der starken Actionanteile, die Mass Effect 2 hatte, im Vorfeld stets mit Skepsis betrachtet habe. Mass Effect 2 sei düsterer, ernster, es sei das Empire Strikes Back, sozusagen. Was die Macher mit Letzterem aber vielleicht auch sagen wollten: es ist weniger ein Nachfolger des Erstlings, Mass Effect 1, als vielmehr der Vorgänger des Finales, Mass Effect 3.

Mit Eine neue Hoffnung waren die grundlegenden Handlungsstränge vorerst abgeschlossen. Die Festung des Bösen, der Todesstern, war gesprengt, der Bösewicht, Darth Vader, geschlagen, die Bedrohung vorerst abgewendet. Genauso verhielt es sich mit der Sovereign, den restlichen Reapern und der drohenden galaxisweiten Vernichtung.
Das Imperium schlägt zurück spielt einige Jahre später; die Zeiten haben sich geändert, die überwiegend patriotisch-euphorische Stimmung, die im Vorgänger noch geherrscht hat, ist verflogen, und letztendlich endet alles in einem riesigen Cliffhanger, der das Grande Finale dem abschließenden Teil überlässt. Erzählt werden lediglich Zwischenhandlungen, die eine Brücke schlagen sollen von Eine neue Hoffnung zu Die Rückkehr der Jedi-Ritter, die ganz großen Themen werden nur angerissen.

Klingelt’s bei euch? Mass Effect 2 erfüllt mit den Heretics, der Diskussion/dem Heilmittel zur Genophage, mit einer vom Unbekannten gebotenen Möglichkeit zur Kontrolle der Reaper und den zahlreichen weiteren persönlichen Scharmützeln eurer Teamgefährten genau dieselbe Aufgabe. Und endet ebenfalls in einem Cliffhanger, der nur erahnen lässt, auf was die Helden da genau zusteuern, was sie im abschließenden Teil erwartet.

Und dieser bläst förmlich alles hinweg, so großartig ist Mass Effect 3. Nicht nur, dass die Macher jede Möglichkeit in Form von Grafik, Sound, Kamerabewegungen und Schnitten genutzt haben, um es mehr und mehr zu einem Film werden zu lassen – die Story ist, ganz im Gegensatz zu meinen früheren Befürchtungen, wirklich grandios und übertrifft stellenweise sogar die des Erstlings.
Auch wenn die Musik im Spiel bei Weitem nicht die Wirkung entfalten kann wie sie es in den beiden Vorgängern konnte – als Musik pur „auf CD“ ist sie emotionaler denn je und übertrifft in meinen Augen, pardon … Ohren sogar Kompositionen von Großmeistern wie John Williams und Hans Zimmer. Wobei das meine ganz subjektive Meinung ist … unterstützt von den gezählten Wiederholungen meiner iTunes-Mediathek. 😉

Das Ende von Mass Effect 3 beziehungsweise das mir bekannte Ende, da ich den Extended Cut noch nicht kenne, hat mir gezeigt, dass Mass Effect für mich in den vergangenen Jahren zu mehr geworden ist als nur zu einem schlichten Hobby. Mit den Tränen, die ich nach dem Finale vergossen habe, konnte keine emotionale Reaktion, die ich bislang bei anderen Franchises/Medien gezeigt habe, bezüglich der symbolischen Bedeutung mithalten. Mass Effect ist mir lieb und teuer geworden, und es dauert nicht mehr lange, da werden die Star Wars-Poster in meinem Zimmer von Postern zu Mass Effect ersetzt werden.

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Meine Leidenschaft hat bereits von meinem Arbeitsplatz Besitz ergriffen; meine Liebe befindet sich also auf einem Höhepunkt, und dessen Zukunft ist quasi vorgeschrieben. Es muss bergab gehen, denn höher als ich kann man mit Mass Effect nicht mehr steigen. Es wird die Zeit kommen, in der ich von Mass Effect genauso genug haben werde wie von Star Wars momentan, doch ich hoffe und glaube, dass diese Zeit noch nicht ganz reif ist. Ich denke, dass das Feuer, das Mass Effect (3) in mir entfacht, noch eine Weile Bestand haben wird, sei es durch den Multiplayer, den Extended Cut oder ganz einfache durch dessen Musik.

Doch ich weiß, dass es einige Dinge geben wird, wahrscheinliche Dinge, die meiner Liebe zu Mass Effect schaden könnten; die meine Mass Effect-Übersättigung beschleunigen oder bei mir sogar eine Mass Effect-Abneigung entstehen lassen könnten. Das ist nicht etwa ein möglicherweise wieder erstarkendes Star Wars sondern es sind Fehler, mit denen Mass Effect sich ins eigene Fleisch schneidet – womit Star Wars bereits Erfahrungen gemacht hat.
Diese wären neben einem miserablen Extended Cut, der aber offenbar ganz gut sein soll, wie ich erfahren habe, und der damit nachträglichen Schädigung des Endes … ein Mass Effect 4. Denn das würde das Franchise nicht verkraften.

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