Meine Liebe zu Star Wars

Noch nie hat mich etwas so sehr im Griff gehabt wie Star Wars. Die Sternensaga, weltbekannt und -populär, mit ihren Mysterien für viele Weltbild, Idol und Wunschtraum zugleich, hat auch mich gepackt mit ihrer massentauglichen, für Jungs wie verlockenden Interessantheit. Begonnen hat all das bei mir mit einem fast unscheinbaren Weihnachtsgeschenk meiner englischen Pateneltern, es muss wohl 1998 gewesen sein.

Bei dem Weihnachtsgeschenk handelte es sich um nichts geringeres als das erste, in Serie erschienene LEGO Star Wars-Modell, Nummer 7140 – Luke Skywalkers X-Wing. Mit Star Wars hatte ich zu dieser Zeit noch nichts am Hut (wie konnte ich auch – ich war erst fünf!), doch es stellte meinen ersten Kontakt mit der Saga dar – vermutlich ein oder zwei Jahre später folgte die VHS-Kassette von Episode I – Die dunkle Bedrohung. Die ganze Story (Senatsabkommen über die Besteuerung der Handelsrouten) habe ich zwar – zugegeben – erst im Alter von ca. 15 Jahren (ach, kommt schon!) verstanden, aber von Kampfdroiden, Lasern und Lichtschwertern war ich damals im zarten Alter von sechs oder sieben Jahren schon völlig hin und weg gewesen.
Meinen Eltern hat das damals nicht sonderlich behagt, dass ich mich mit solchen Effektfilmen amüsiert habe – die ungesunden Auswirkungen von allzu vielen Laserstrahlen für den Kopf eines Kindes sind ja schließlich nachweisbar nicht zu unterschätzen, drum durfte die VHS-Kassette nur einmal im Jahr rausgeholt werden.

Ein paar Monate nach der Jahrtausendwende fand sich Star Wars dann in meinen Dark Times wieder, in denen die Saga doch tatsächlich vollkommen aus meiner Bildfläche verschwunden war – Parallelen zwischen diesem einen Film, den ich auf VHS besaß, und diesem überall auf Plakaten beworbenen Film fielen mir zwar auf, aber schlussfolgern, dass es sich dabei um die Fortsetzung von Die dunkle Bedrohung handelte, konnte ich damals noch nicht.
Und so kam es, dass mir erst Jahre später ein alter Freund wieder auf die Star Wars-Saga aufgeholfen hatte – durch die gemeinsame VHS-Sichtung von Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Alte Erinnerungen wurden wach, und so fragte ich meinen damaligen Freund, wo denn die ganzen Kampfdroiden geblieben wären – und Mace Windu, der mir wegen seines Äußeren in Erinnerung geblieben ist. Dass sowohl Kampfdroiden als auch die mir aus Episode I bekannte Action in Episode VI fehlten, waren wohl auch einige Gründe, weshalb mir der Film nicht sonderlich behagte, doch über diesen fand ich immerhin wieder Bezug zu LEGO Star Wars.

Das muss wohl ca. zu meinem 11. Lebensjahr gewesen sein, und ich erlebte mit demselben Freund einige sehr LEGO Star Wars-lastige Jahre, in denen wir uns zu wahren Star Wars-Geeks entwickelten, Enzyklopädien studierten, neue Raumschiffe kreierten und sogar auch mal mit dem Verfassen eines Buchs (welcher Fan hat das nicht getan?!) angefangen haben.

Im Sommer 2005 kam dann Episode III – Die Rache der Sith in die Kinos, was wohl die Krönung für einen jeden jungen Fan wie mich gewesen war, der sich mit LEGO und Star Wars-PC-Spielen extremst darauf gehypt hat. Die LEGO-Ära dauerte noch eine Weile an – im Sommer 2007 stieß ich dann auf eine Internetseite, die sich StarWars-Union.de nannte. Von dem Umfang ganz fasziniert, meldete ich mich recht bald in dessen Forum an und nahm mit meinen damals noch ausbaufähigen Schreibstilen an zahlreichen Forendiskussionen bei – bis mein Blog gegründet wurde und ich einen Teil der Diskussionen auch hierher verlegte. Im Mai 2010 wurde das Forum geschlossen, und die SWU blieb für mich bis heute „nur noch“ als Berichterstattungsseite interessant – sie ist aber nichtsdestotrotz mindestens seit 2007 meine unangefochtene Firefox-Startseite, nur so nebenbei.

Wie das bei Star Wars-Fans der Fall ist, sind es natürlich mit zunehmendem Fanalter immer weniger die Filme, die einem das Star Wars-Feeling vermitteln, auch wenn sie immer noch Grundstein und Pfeiler einer jeden weiteren Geschichte sind – sondern vielmehr das Erweiterte Universum, behutsam gepflegt und regelmäßig erweitert. Jenes ist es auch, dass einen weiteren großen Teil meines Lebens geprägt hat, finden sich doch nicht nur Dutzende Lektüren in meinen Schränken sondern natürlich auch das ein oder andere PC-Spiel, ein paar Comics und auch das abonnierte Journal of the Whills hier und da verstreut im trauten Heim.

Star Wars ist mir in den vergangenen Jahren fast so vertraut geworden wie die reale Welt; Sprüche wie „Die Macht ist mit dir“ habe ich mir bei jeder Schulaufgabe zugeflüstert, angestaute Aggressionen habe ich ganz Jedi-like in die hintersten Ecken meines Bewusstseins verdrängt, und schicke Teaser-Poster zu Episode III zieren seit Jahren mein Zimmer.
Mein eigenes Fantum hat vor rund ein oder zwei Jahren seinen Höhepunkt gefunden – doch nun liegt es jämmerlich im Sterben, an den Wunden, die sich Star Wars selbst zugefügt hat, und durch die Konkurrenz, die so viel besser ist als das von vielen für lange Zeit als das beste Universum bezeichnete Franchise. Ich habe eine neue Liebe gefunden, die meine Liebe zu Star Wars mehr und mehr verdrängt und dabei ist, sie vom Abgrund zu stürzen.

Doch wie konnte all das passieren? Nun, ich denke, den ersten Schritt hat Star Wars, oder besser gesagt George Lucas, selbst unternommen. Star Wars schneidet sich mit The Clone Wars schon seit Jahren ins eigene Fleisch und lässt die Einstellung von so manchem Fan ins Wanken bringen. Mit der animierten TV-Serie hat Star Wars einen qualitativen Tiefpunkt erreicht, der aber ironischerweise den kommerziellen Höhepunkt der Saga darstellt. Noch nie hat George Lucas so schnell so einfach so viel Geld gemacht – hat er für die Prequels schätzungsweise für jede Minute eine Million Dollar ausgegeben, investiert er in die Serie pro gesamte Folge von 22 Minuten ebenfalls eine Million Dollar, spielt aber durch Merchandise & Co. genausoviel ein wie früher.

Lucas braucht nur für eine Kleinigkeit den Finger krumm zu machen, und die Fans – ob alt oder jung – würden ihm am liebsten alles aus der Hand fressen. Das ging zwar meines Erachtens nach mit den alten und neuen Filmen gut, denn es kam unter’m Strich immer etwas mehr oder weniger Gutes heraus; mit The Clone Wars aber verhält es sich anders, und so kommt es, dass der Markt immer mehr von Star Wars übersättigt wird – wobei diese Übersättigung schon nicht mehr unterscheiden kann zwischen qualitativ Hochwertigem oder Minderwertigem. Star Wars ist zur Popkulturikone geworden, das sich durch die andauernde Selbstvermarktung, aber auch durch die zahlreichen „Kopien“ (Fanarts, Fanfiction, Anspielungen, …) selbst auffrisst.

All das wäre noch halbwegs vertretbar, wenn die Verantwortlichen, allen voran George Lucas, den Fans auch tatsächlich das bieten würden, was sie sich wünschen.
Sprich, die Realserie. Doch diese wird nie kommen, stattdessen serviert man uns vermutlich noch eine sechste Staffel von The Clone Wars.
Oder Dinge wie ein zweites Republic Commando, ein drittes KotOR. Doch stattdessen liefert man The Old Republic, das MMORPG mit theoretisch nie endender Bezahlung von Seiten der Nutzer.
Oder ganz einfach Filmänderungen wie „Han shot first“. Doch stattdessen hört man Vader ein weiteres Mal „No!“ rufen, die Ewoks blinzeln nicht mehr und die Lichtschwertfarben sind einen Hauch gesättigter.

Bei all den für mich hoffnungslosen Dingen, die Star Wars zur Zeit ausmachen, gibt es aber einen kleinen Hoffnungsschimmer, die New Hope, wie es Luke Skywalker einst in einem totalitären Regime voll von Bösem und Schlechtem war. Und das ist Star Wars 1313. Schmutziges, dreckiges Star Wars, fast schon so wie man es von den guten alten Filmen kennt, mit viel Aufwand von ILM, LF Animation, LucasArts und Skywalker Sound produziert. Ohne Jedi, ohne Mandalorianer, im Prinzip kann man nichts kaputt machen, bis auf das Spiel selbst vielleicht. Die Vorschauvideos, die man auf der E3 dieses Jahres sehen konnte, versprachen zwar nicht das Gelbe vom Ei – aber der Funke ist bei mir übergesprungen. Weg von The Clone Wars, weg von der Kinder-Spielzeug-TV-Serie, die auch noch ihren Senf abgeben will irgendwann, hin zu Coruscants dunklen Abgründen mit Kopfgeldjägern, rauen Methoden und einer Prise Niveau.
Und dass auch ich wieder ein Fan werden kann, ist möglich. Nicht nur durch Star Wars 1313 sondern auch durch Dinge wie das Journal of the Whills, das ich zwar schon seit drei Ausgaben nicht mehr gelesen habe, und durch die restliche, noch nicht gelesene Star Wars-Lektüre. Ich muss nur etwas bestimmtes hinter mich bringen, um wieder die Zeit zu haben, mich mit Star Wars zu beschäftigen, welches eigentlich immer noch wunderbar sein kann, wenn man sich mit den guten verbliebenen, mit ausgewählten Bereichen der Saga beschäftigt.
Und wenn man vielleicht auch akzeptiert, Fan zweier Universen sein zu können.

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2 Responses to Meine Liebe zu Star Wars

  1. Joonogor says:

    Ich hab auch noch einen … nee … ein Hoffnungsschimmer ist es nicht irgendwie… naja ….

  2. Lichtschwert says:

    Haha, wie geil! Jaja, das ist auch einer der wenigen guten verbliebenen Bereiche der Saga, mit denen man sich gerne beschäftigt. 😛

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