Mass Effect 3: Soundtrack

Der Soundtrack zum Videospiel Mass Effect 3 wurde von Clint Mansell, Sam Hulick, Christopher Lennertz, Cris Velasco und Sascha Dikiciyan komponiert und umfasst in der Collector’s-Edition 25 Songs mit einer Gesamtlaufzeit con ca. 1:08 h.
Er erschien im Jahr 2012 und kann in der Standard-Edition bei Amazon.de für derzeit € 9,89 heruntergeladen werden.

Mass Effect 3: Soundtrack

Über die Präsenz der Musik innerhalb des Spiels habe ich mich bereits hier ausgelassen, daher soll dieser Kritikpunkt hier keine Beachtung finden. Stattdessen wird auf die Qualität und auf andere Aspekte des Soundtracks Bezug genommen.

So lässt sich feststellen, dass dieser Soundtrack viele Stärken seiner Vorgänger vereint und in einem gelungenen Mix, bestehend aus den aus Mass Effect 1 bekannten Synthesizerklängen sowie den mehr orchestraleren Klängen aus Mass Effect 2, präsentiert. Dass das Spagat zwischen Elektronischem und Natürlichem funktioniert, beweist gleich der erste Song The Fate of the Galaxy, der zudem einen passenden Eindruck für den Rest des Spiels verleiht. Düster geht es zu im abschließenden Teil der Videospielreihe – was den Zivilisationen der Galaxis bevorsteht, wird hier in musikalischer Form mitgeteilt.
Weiter geht es mit dem bekannten wie grandiosen Leaving Earth, für das man den Filmkomponisten Clint Mansell an Bord holen konnte, und der mit einem Piano als Leitinstrument so passend akustisch verarbeitet, was Shepard bei seiner Flucht vor den Reapern auf der Erde erleben muss.

Auch in folgenden Stücken, die sehr emotional angehaucht sind oder emotionale Szenen des Spiels untermalen, greifen die insgesamt fünf Komponisten gern zum Piano, was ihnen sehr gut gelingt. Pianostücke fand man in den vorherigen Scores des Mass Effect-Universum bislang lediglich in den zwei Love-Themes – man muss den Komponisten zu Gute halten, dass sie trotz des also bisher selten verwendeten Instruments den Mass Effect-Flair perfekt einfangen, diesem wenn nicht sogar noch mehr Tiefe einhauchen.

Leider versinkt der Soundtrack allzu rasch in überwiegend durchschnittlichem, nun besser als in Mass Effect 2 gefadeten Mischmasch, bestehend aus Hintergrund- und Combat-/Kampfatmosphäre. Das hört sich oft sehr ähnlich an wie die Scores zu den Mass Effect 2-DLCs; kein Wunder, hat man doch deren Komponisten Christopher Lennertz, Cris Velasco und Sascha Dikiciyan für den Soundtrack zu Mass Effect 3 gewinnen können. Diese Songs klingen dann zwar bei Weitem besser als die oft emotionslosen Stücke aus Mass Effect 2, erreichen aber trotz grandioser Melodien wie etwa in Sur’Kesh nicht die Größe, die der Soundtrack am Ende erreicht.

Das nämlich treibt dem Hörer fast genauso sehr die Tränen in die Augen wie es das Spiel zu den jeweiligen Momenten geschafft hat. Mit I Was Lost Without You liefert Sam Hulick ein dem Love Theme und Reflections mindestens ebenso würdiges Liebestheme ab, mit I’m Proud Of You hätte er keine bessere Melodie finden können, um Anderson in den ewigen Schlaf zu schaukeln, und selbstverständlich untermalt er in Zusammenarbeit mit Clint Mansell einen Song später mit An End Once and For All dieses eine, denkwürdige Ende, das Fans zum Weinen bringt, im Guten wie im Schlechten.

Mit den Faunts holt man sich trotz des rein instrumentalen Das Malefiz, das einen Gesang aber überhaupt nicht nötig hat, bei den Fans sicherlich viele Sympathien, was den Ausklang des Soundtracks nochmals abrundet.

Was nach all dem Lob ein sehr guter Soundtrack zu sein scheint, ist in Wahrheit eine halbe Enttäuschung, erscheint der Soundtrack doch als Download und ist somit quasi frei sämtlicher Begrenzungen von Datenspeichern. Schafft eine CD beispielsweise selten mehr als knapp über eine Stunde, bewies der Score zu Mass Effect 2, dass es praktisch kein Problem ist, Musik mit fast zwei Stunden Laufzeit als Download anzubieten.
Und dennoch erreicht der Soundtrack zu Mass Effect 3 selbst in der um zwei Songs längeren Collector’s-Edition-Fassung nur die Laufzeit einer handelsüblichen CD und fällt damit ca. 3,5 Stunden kürzer aus als der kostenlos, wenn auch nicht wirklich legal im Internet verfügbare Complete Expanded Score. So kommt es, dass selbst einprägsame wie bedeutende Tracks wie The Catalyst, Dreams (Full) und London Hideout auf diesem Soundtrack fehlen.
Daraus folgt außerdem, dass auch die Musik zu mehrstündigen Missionen wie etwa jenen auf Tuchanka in einem gerade einmal 3:29 Minuten langen A Future for the Krogan zusammengefasst wird und beim Hörer das Gefühl auslöst, etwas Unvollständiges ‚vor sich liegen zu haben‘.

Ein letzter, entscheidender Kritikpunkt ist sowohl die große Ankündigung, Clint Mansell für die Musik an Bord geholt zu haben, als auch, ihn neben Sam Hulick als Hauptkomponisten zu nennen. Man kann seinem Stück Leaving Earth die Kinoreife zwar nicht abstreiten – betrachtet man aber die dem Download beigefügten Credits, fällt auf, dass er lediglich an jenem genannten Stück sowie in Zusammenarbeit mit Hulick an An End Once And For All gearbeitet hat, was bei einer Anzahl von 23 restlichen Kompositionen geradezu mickrig ausfällt. Beide Stücke zählen zwar zu den besten des gesamten Soundtracks, doch muss man sich als Hörer auch fragen, ob Mansell überhaupt je mit ganz persönlichem Empfinden an den Score heran ging. Zwei Stücke sind mit Sicherheit schnell geschrieben, so ist es für die Komponisten Hulick, Lennertz, Velasco und Dikiciyan, die die restlichen ca. 4 Stunden Musik komponiert haben, bestimmt eine Enttäuschung, in den Schatten Mansells gestellt zu werden.

Zuletzt sei gesagt, dass bezüglich der gebotenen Stücke der Soundtrack jedem Fan durchaus zu empfehlen ist. Die finalen Tracks können die Schwächen der eher durchschnittlichen Songs im Mittelteil des 1h 08 min langen Soundtracks gekonnt ausbügeln.
Einen großen Dämpfer in der Endwertung verpassen jedoch die oben genannten beiden Kritikpunkte, die unter anderem dafür sorgen, dass man sich als Hörer und Fan mit größter Unzufriedenheit dazu gezwungen fühlt, den Complete Expanded Score herunterzuladen, um so an den gewünschten und eigentlich auch gekauften kompletten Soundtrack zu gelangen.
3 von 5 Sternen.

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One Response to Mass Effect 3: Soundtrack

  1. Anonymous says:

    Ich persönlich finde, dass der Soundtrack von Mass Effect 3 MINDESTENS(!) 4 von 5 Sterne verdient. Einige kleine Dinge bemängel auch ich z.B. die Länge einiger Tracks doch ist der OST insgesamt für mich sehr gut bis hervorragend!

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