Mass Effect 2: Soundtrack

Die Musik des Sci-Fi-Rollenspielshooters Mass Effect 2 wurde von Jack Wall, Sam Hulick, Jimmy Hinson, Brian DiDomenico und David Kates komponiert und enthält 27 Titel mit einer Gesamtlaufzeit von 1:55 Stunden.
Der Download erschien im Jahr 2010 und kann bei Amazon.de für € 19,78 heruntergeladen werden.

Quelle: MassEffect.Wikia.com

Mit knapp zwei Stunden Laufzeit fällt der Nachfolgesoundtrack um Einiges länger aus und bügelt damit gleich eine der wenigen Schwächen des Vorgängers aus. Befreit von der beschränkten Datenkapazität einer handelsüblichen CD, bietet der Download den einzelnen Tracks wesentlich mehr Platz und grenzt sie nicht mehr auf teilweise nur rund eine Minute ein. Die Stücke erreichen nun Längen von bis zu knapp zehn Minuten, was dem Käufer schon eher das Gefühl verleiht, einen Großteil der Kompositionen im Besitz zu haben.

Doch trotz der zahlreichen neukomponierten Tracks bleibt dieser Soundtrack im Großen und Ganzen innovationslos und vermag gerade einmal zwei durchgängig vorhandene Themes aufzubringen. Das mögen zwar bereits zwei mehr sein als beim Vorgängerscore, doch selbst für lange zwei Stunden Laufzeit sind zwei Themes recht wenig, zumal eines der beiden auf Grund seiner fast schon unschönen Komposition (Jump Drive – ab 1.16 min) eine recht hohe Eingewöhnungszeit abverlangt.

Der Soundtrack beginnt zwar mit dem starken The Illusive Man, das fast schon perfekt die Undurchsichtigkeit dieses grandiosen Videospielcharakters einfängt und innere Zerrissenheit und Zwielichtigkeit andeutet, geht jedoch zu schnell in bestenfalls mittelmäßigen Liedern unter. Bei den vielen Actionsequenzen innerhalb der Rekrutierungs- und Loyalitätsmissionen schaffen die Komponisten um Jack Wall es nicht, in den wenigen ruhigen Momenten Emotionalität hervorzurufen, ganz im Gegensatz zu den Missionen selbst.

Überzeugen im Spiel Mass Effect 2 vor allem/überwiegend die Teammitglieder und ihre Loyalitätsmissionen, sind es gerade die dazugehörigen musikalischen Stücke, die im Soundtrack enttäuschen. Zwar erhalten diese sowohl von der Länge eines jeden Stücks als auch durch deren starke Präsenz auf dem „zwei CDs umfassenden“ Download einen größeren Stellenwert, unterliegen qualitativ jedoch storybezogenen Musiktiteln wie denen zum Unbekannten (The Illusive Man), zur Wiedergeburt der Normandy (The Normandy Reborn) und natürlich den Romanzen (Reflections). Diese kompositorisch sehr gelungenen Stücke sind die kleinen Juwelen des Scores; sie sind es, die einen individuellen und durchgängigen Stil aufweisen und sich vor musikalischer Reduzierung auf ein paar Instrumente nicht scheuen.

Bei den Teamthemes verhält es sich leider gegenteilig. Dass diese innerhalb mehrer Minuten einer Melodie folgen oder einen Spannungsbogen (wie etwa Souvereign’s Theme aus Mass Effect 1) erzeugen, darf man bei ihnen nicht erwarten. Die Songs lassen sich zwar sehr gut in das Spiel integrieren, wohl aber auch deshalb, weil sie nicht Gefahr laufen, dem Bild die Show zu stehlen. Mit nicht selten atmosphärischer Stärke unterstützen die Songs zu den jeweiligen Teammitgliedern die spannenden Missionen – als Musik pur sind sie jedoch in den seltensten Fällen ästhetisch akzeptabel. Nicht nur, dass die Songs für leise Dauerberieselung über Kopfhörer auf Grund der unterschiedlichen Stile und Lautstärken innerhalb einzelner Lieder gänzlich ungeeignet sind, weisen sie in den seltensten Fällen Ohrwurmpotenzial oder Gänsehautmomente auf.
Stellenweise könnte man meinen, den Komponisten wäre jegliches kompositorische Feingefühl bzw. der Sinn für gute Musik abhanden gekommen, doch kurz bevor sich dieser Gedanke allzu sehr festsetzen könnte, erreicht der Score mit The End Run, dem handlungstechnisch gesehen finalen Track, ungekannte Größe. Zwar haben die vorangegangenen Tracks bereits vergeblich versucht, den Status epischer Kompositionen zu erreichen, doch was ihnen gefehlt hat, war (unter anderem) eine einprägsame Melodie. Mit The End Run und Suicide Mission liefern die Komponisten zwei zwar mit übermäßig eintönigen Choreinlagen versehene Stücke ab, die jedoch das erste Mal wirkliches Ohrwurmpotenzial haben und seit The Normandy Reborn auch Gänsehaut erzielen können.

Es liegt sicherlich nicht an den leichten Änderungen im Komponistenteam, dass der Soundtrack zu Mass Effect 2 eine solche Kehrtwende zum Vorgänger macht, das Gewand des Synthetischen ablegt und durch orchestralere Musik ersetzt. Der kreative Kopf – Jack Wall – ist für diesen Soundtrack erhalten geblieben, und auch seine alten Kollegen Sam Hulick und David Kates stehen auch hier wieder an seiner Seite. Dennoch erkennt man Mass Effect musikalisch kaum wieder, was man auch mit der geringen Anzahl wiederverwendeter Themes begründen kann.
Mit den Musikstücken zu den einzelnen Teammitgliedern liefern Wall & Co. zwar atmosphärisch meist starke Stücke ab, die jedoch nur im Spiel selbst ihre Wirkung zu entfalten wissen, als Musikdownload aber nicht mehr sind als schlecht überfadete Musikschnipsel unterschiedlichster Gattungen.
Anders verhält es sich mit einigen wenigen anderen Tracks wie etwa Suicide Mission, dem quasi-Titellied, Reflections, The Illusive Man, The Normandy Reborn und natürlich dem grandiosen wie trancehaften New Worlds, die dank Emotionen, Tiefe und einprägsamen Melodien vor allem eins erwecken können: die Vorfreude auf Mass Effect 3.
3 von 5 Sternen.

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