The Ides of March – Tage des Verrats

Der junge Politberater Stephen Meyers ist ein Shooting Star seiner Branche und kämpft aus voller Überzeugung für den charismatischen Gouverneur Mike Morris, dem gute Chancen auf die nächste US-Präsidentschaft eingeräumt werden – sofern er es durch das Minenfeld der Vorwahlen in Ohio schafft. Mal ist Stephen dafür zuständig, eine New-York-Times-Reporterin mit Insider-Infos zu versorgen, dann muss er die gegnerischen Attacken Tom Duffys abwehren. Doch während Stephen mit Kampagnenleiter Paul Zara gerade dabei ist, Gouverneur Morris einen wichtigen Vorsprung in den Umfragen zu verschaffen, gerät der junge Idealist aus der gewohnten Erfolgsspur. Plötzlich treiben ihn Fehler in die Defensive, die Praktikantin Molly gerät in die Schusslinie und Stephen muss einsehen, dass ihn ein winziger Fehler sein Ticket nach Washington kosten kann … (Quelle: Wikipedia.de)

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Es sei nicht der Film selbst, der zum Nachdenken oder Diskutieren anrege, sondern das Thema, das er behandelt, heißt es in einer Kritik, der ich so zustimmen kann. Der Film thematisiert die Machenschaften und Manipulierbarkeit der verschlagenen (US-)Politiker und besitzt somit ein hohes Maß an Kritik unseres derzeitigen Regierungssystems. Mit diesem hohen Level kann der Film in seiner Umsetzung leider nicht mithalten.

Zunächst aber erst einmal zu den Stärken des Films. Diese liegen zweifelsfrei in der Top-Schauspielerbesetzung. George Clooney macht als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Nebendarsteller einen sehr guten Job, und hat mit Ryan Gosling eine grandiose Wahl bezüglich seines Hauptdarstellers getroffen. Der junge Schauspieler verkörpert die Rolle des aufstrebenden, idealistischen und zugleich beruflich erfahrenen Beraters einwandfrei; setzt seine filmische Krise ein, mag man ihm dieselben charismatischen Charakteristiken zuschreiben, die ihm Duffy, sein Kontrahent, als Komplimente in der Barszene um die Ohren wirft.
Polly-Darstellerin Evan Rachel Wood erhält mir ihrer sexy Praktikantinnen-Rolle eine annähernd interessante Rolle, die aber durch ihren verfrühten und plötzlichen Abschied stark an Bedeutung verliert.
Philip Seymour-Hoffmann gibt als Mentor-ähnlichen Paul Zara den vermeintlich idealistischen Berater, ähnlich wie Stephen Meyers, sticht diesen aber durch seine größere berufliche Erfahrung und die Gnadenlosigkeit, die er sich in den Jahren in dieser Branche angeeignet hat, aus, was dem Film erst die besondere thematische Tiefe verleiht.

Diese Tiefe besteht aus der Anprangerung der Machenschaften in der US-Politik (wenn es dort der Fall ist, wird es in Deutschland oder ähnlichen Ländern nicht anders sein) und der (vermutlich zurechten) Behauptung, dass es egal sei, auf wessen Seite man steht – am Ende geht es immer um den Wahlsieg, der mit jeden Mitteln zu erreichen versucht wird.
Die Erkenntis dieses trügerischen Systems lässt der rachsüchtige Stephen zu jenem machtgeilen Berater werden, den er in Form seines ehemaligen Mentors Paul Zara nur einige Filmminuten zuvor um seinen Job gebracht hat.

Kaum hat der Zuschauer diese Charakterwendung des Hauptcharakters bemerkt, ist der Film auch zu Ende, der dieses zwar mit langer Slow-Motion-Aufnahme und dann ausnahmsweise mal guter Musik angekündigt, aber vollkommen unfertig präsentiert hat.
Und dies stellt die wohl größte Schwäche des Films dar – die gefühlte Unfertigkeit. Der Film verlangt im Großen und Ganzen nicht viel Aufmerksamkeit ab; Vorgänge werden dem Zuschauer auf die ein oder andere Art erklärt, sodass auch jeder dem Handlungsverlauf folgen kann; der Zuschauer wird während des Films nicht viel zum Nachdenken angeregt. Durch das plötzliche Ende aber stellt der Film den Zuschauer bloß und verlangt, sich das Ende selbst zusammenzureimen.
Und obwohl ein Fortführen der Handlung um Stephens zukünftige Charakterentwicklung im Grunde her unnötig ist, da doch die Kritik am System im Mittelpunkt steht und nicht die die Geschichte begleitenden Personen, wünscht man sich etwas mehr vom Ende.

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Zuletzt sei noch gesagt, dass sich George Clooney ohne Umschweife als weißer Barack Obama dargestellt hat, mit patriotischen Wahlplakaten im Stile von Obamas einstigen Hope-Plakaten. Auch in ideeller Hinsicht ähnelt er dem (ehemaligen) Hoffnungsträger, der ebenfalls politisch an die Wand gefahren wird und bei der Unberechenbarkeit und Machtgier der Politik ein Winzling zu sein scheint.

Trotz dieser frechen Darstellungsweise muss sich The Ides of March – Tage des Verrats mit 3,5 von 5 Sternen zurechtgeben, da es dem Film nicht nur an dem gewissen Etwas außerhalb der Schauspielerriege fehlt sondern auch an einem zufriedenstellenden Ende.

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3 Responses to The Ides of March – Tage des Verrats

  1. Owley says:

    Also für mich wäre TIOM immer noch ein verdienter Oscar-Gewinner, zumindest von dem, was ich noch in Erinnerung habe. Was mir gerade daran gefiel, ist, dass der Film nicht nur Obama-kritisch ist, sondern eben auch Clooneys Figur ihr Fett weg kriegt. Der gute und sympathische Mann hinter der Maske des Kandidaten ist nicht mehr als ein Lächeln und ein Script von Stephen Meyers, oder des gesamten Teams, eben.

    Zudem wird der Zirkus spannend dargestellt und gipfelt in einem überraschenden Plottwist – zumindest ich fand die Art des Finales packend. Und letztlich ist es nur Zara, der fair spielt – er hält sich an die Regeln, ist aber am Ende der Verlierer. Was man gerne auch als Metapher auf den ganzen Politzirkus anwenden darf, aber nicht muss.

    Überhaupt spart sich der Film Botschaften – zu Recht! Er streut Krümel, die sich der Zuschauer zu Messages zusammenbasteln kann, aber am Ende steht nur das Schicksal der Figuren im Vordergrund.

  2. Lichtschwert says:

    Du hast den Film in den USA gesehen, richtig? Der kam da nämlich schon im Oktober raus …

    Die Sache mit Paul und seiner Fairness hast du sehr gut erkannt – das ist mir nicht aufgefallen.
    Aber im Gegenteil zu dir finde ich, dass der Film mehr als nur Botschaftenkrümel streut; der Film meint, er gäbe nur Botschaften, doch dabei finde ich, dass er dem Zuschauer doch ziemlich viel vorkaut und dass sich das abrupte Ende daher auch so eigenartig anfühlt.

  3. Owley says:

    Das hatte ich nicht so erlebt, wie gesagt, ich fand, dass der Film nur die Richtung angibt für die Botschaften, aber die Zuschauer sich selbst ein Bild machen lässt. Nicht umsonst werden die Figuren so ambivalent dargestellt, man verzichtet auf eine fertige Zeichnung.

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