Knowing – Die Zukunft endet jetzt

1959 wird an der William-Dawes-Grundschule in Lexington, Massachusetts auf Anregung der jungen Schülerin Lucinda Embry eine Zeitkapsel vergraben, in der die Schüler ihre Wünsche, Visionen und Ideen für die Zukunft einschließen sollen, die sie in Form von Bildern gemalt haben.
Als die Zeitkapsel im Jahre 2009 anlässlich der 50-Jahrfeier der Grundschule wieder geöffnet wird, werden die Zeichnungen unter den heutigen Schülern verteilt. Die Aufzeichnungen von Lucinda, die unterdessen gestorben ist, erhält der junge Caleb Koestler, der sich jedoch statt einem Bild einem Blatt mit vielen Zahlenreihen gegenüber sieht. Dessen Vater John, ein Astrophysiker am MIT, kann nach kurzer Zeit die Seiten entschlüsseln. Der Wissenschaftler findet heraus, dass er Aufzeichnungen über alle großen Katastrophen auf der Erde der letzten 50 Jahre in den Händen hält … (Quelle: Wikipedia.de)

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Alex Proyas hat mit I, Robot sein Geschick mit spannenden Thrillern unter Beweis gestellt – und bekommt mit Knowing – Die Zukunft endet jetzt ein weiteres Mal die Gelegenheit, seinem Publikum einen spannenden Thriller mit leichten Horrorelementen zu bieten.
Die Grundhandlung des Films, die bekannt sein dürfte, garantiert ein gutes Fundament für eine Mischung aus Spannung, Action und Schicksalsphilosophien. Oscarpreisträger Nicolas Cage steht zur Zeit zwar nicht unbedingt für große Kinoerfolge, verkörpert den trinkenden Alleinerziehenden aber überraschend gut. Trotz dieser gegebenen guten Grundvoraussetzungen bleibt Knowing weit hinter den Erwartungen und seinen Potenzialen zurück.

Gründe findet man zum Einen in der bereits erwähnten Grundhandlung, der Idee des Films, mit den vorhergesagten Katastrophen der Menschheit. Das Erahnen der noch nicht eingetretenen Katastrophen und Johns misslingende Versuche, diese abzuwenden, verleihen dem Film zwar eine überzeugende Spannung, jedoch liegen die Stärken des Films bei den Ängsten – den Andeutungen. Mit dem plötzlichen Erscheinen des abstürzenden Flugzeugs zeugen die Drehbuchautoren nicht gerade von Kreativität – und auch das Entgleisen der U-Bahn sieht zwar spektakulär aus, Höhepunkt ist und bleibt aber die Verfolgung des vermeintlichen Attentäters.

Leider sind diese beiden Katastrophen auch schon die einzigen beiden, die auf dem Papier erwähnt sind und damit geschehen. Mit Ausnahme natürlich der nachfolgenden Katastrophe, der Apokalypse, auf die ich später eingehen werde. Jetziges Thema soll noch sein, dass der Film das Konzept, die Idee des Wissens der Katastrophen, zu schnell fallen lässt und das Potenzial nicht ganz ausschöpft. Zu schnell gerät der Zettel mit den „Hinweisen“ in den Hintergrund – in den Vordergrund treten dafür die geheimnisvollen „Flüstermenschen“, deren Erscheinungen mir zwar viel Angst eingejagt haben, was sich aber auf deren schlichtes Erscheinen, nicht auf deren dann doch ziemlich wirren Taten zurückführen lässt.

In der zweiten Hälfte des Films wird das Rätsel der letzten Katastrophe entschlüsselt – und von dort an betritt Knowing ein komplett anderes Genre. Mit der drohenden und auch eintretenden Apokalypse kratzt der Film am Image von Roland Emmerichs Independence Day und 2012, ohne jedoch an deren Klasse heranzukommen. Die visuellen Effekte zum Weltuntergang sehen im Vergleich zu den vorherigen Katastrophen zwar schick aus, doch inhaltlich passt der Weltuntergang nicht zum Rest des Films. Zu weit hergeholt und zu überdreht kommt die plötzliche Wende des Films daher; was man ihm noch verzeihen könnte, wenn die restlichen filmischen Umstände gelungen wären. Doch die angedeutete Familiendramatik hat man schon oft genug gesehen – eine Liebelei zwischen John und Diana hat man sich zwar gespart, doch ihr teilweise heldenhaftes Talent, in jeder Katastrophe beinahe unbeschadet davonzukommen und den scheinbar einzigen richtigen Weg durch das eintretende Chaos zu kennen, scheint auch ganz stark von Roland Emmerichs Filmen oder anderen klischeebelasteten Filmen „inspiriert“ zu sein.

Auch Nicolas Cages zu Beginn angesprochene Schauspieldarbietung überzeugt zwar ohne Makel, doch bleibt er auch der einzige gute Schauspieler des Ensembles. Rose Byrne hat Probleme, Dianas private Krise und die Probleme mit den Katastrophen glaubwürdig zu vermitteln – und die Kinderschauspieler wirken in den düstersten Szenen keinesfalls verängstigt; mit früheren Leistungen von Jake Lloyd und Haley Joel Osment nicht zu vergleichen. Die Schuld dafür tragen jedoch nicht unbedingt nur die jungen Schauspieler sondern auch die Autoren, ausgerechnet in einen sehr auf die Schauspieler konzentrierten Mysterythriller Kinder als Haupt- oder wichtige Nebenpersonen einzubauen.

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Zuletzt sei gesagt, dass Knowing sehr viel Potenzial hat, dieses aber bestenfalls nur zur Hälfte ausnutzt. Thrillerelemente profitieren von den reinen Angst-Momenten – gleich könne ja etwas passieren -, nicht jedoch davon, was passiert. Knowing versucht diesbezüglich, zwei unterschiedliche Wege zu beschreiten – den mit minimalistischen Elementen angehauchten Thriller mit Konzentration auf die Charakatere, und den endgültigen monumentalen Apokalypsenfilm. Beides verträgt sich nicht.

Nichts Ganzes und nichts Halbes. 2,5 von 5 Sternen.

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10 Responses to Knowing – Die Zukunft endet jetzt

  1. Owley says:

    Ich habe nachgerechnet, und nachgerechnet, und ich komme immer zum Schluss, dass 2,5 sehr wohl ein Halbes von 5 ist. 😀

  2. siver says:

    Da muss ich Owley irgendwie rechtgeben…

    Eigentlich wollte ich mir den Film auch anschauen… Habs aber irgendwie verpennt ^^ . Aber wenn er nur Mittelmaß gewesen ist, ist das ja net sooo schlimm.

  3. Lukas says:

    Kann man sich schon ansehen 😉 Mit der richtigen Anlage und dem richtigen Bild macht er sogar richtig Spaß.
    Spaß macht er auch – wenn auch auf eine andere Art und Weise -, wenn man ihn in New York im Kino sieht und anschließend mit der UBahnlinie fahren darf, die im Film entgleist. Durch genau dieselbe Station. 😀

  4. Lichtschwert says:

    @ Owley
    @ siver
    Mecker, mecker, mecker.

    @ Lukas
    Hab ich. Hab ich. Hab ich. Hab ich nicht. Du etwa?

  5. Lukas says:

    Indeed, und es war… merkwürdig. Wenn auch lustig 😀

  6. Lichtschwert says:

    Ich nehme an, es war nicht beabsichtigt?! Dafür aber wohl ein großer Zufall. 😀

  7. Lukas says:

    Naja, das kommt darauf an, wie man es sieht. Ich hatte keine Ahnung, was da UBahn-technisch in dem Film vorkommen würde, aber die Bahnlinie „nach hause“ zu nehmen war beabsichtigt, da es der direkte Weg war. Aber die Ironie war halt gut 😀

  8. siver says:

    Müssen die Comments von Erstkommentatoren nicht vorher freigegeben werden? Oder hast du die Einstellungen geändert? So etwas gehört nämlich nicht hierher.

  9. Lichtschwert says:

    @ siver
    Das wurde von mir geändert. Aber gute Idee von dir: ich habe die Einstellung zurückgesetzt.
    Es gab in letzer Zeit schon genug Spam. Und gerade der letzte Spamkommentar gehört weder hierher noch sonst irgendwohin.

  10. Sternchen says:

    Oh ich liebe nicolas cage. alle filme mit ihm. hammer.

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