Fanboys

Die Geschichte beginnt im Jahr 1998. Nachdem bekannt wird, dass Linus an Krebs erkrankt ist und er die sehnlichst erwartete Premiere von Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung nicht mehr miterleben wird, beschließen seine besten Freunde Hutch, Windows und Eric, einen Plan zu verwirklichen, den sie in ihrer Kindheit geschmiedet hatten. Sie wollen 2.000 Meilen nach Kalifornien fahren, um dort von der Ranch von George Lucas eine Kopie des Films zu stehlen. Auf dem Weg dorthin müssen die vier sich gegen allerhand Feinde verteidigen … (Quelle: Wikipedia.de)

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Mit Fanboys brachte Regisseur Kyle Newman im Jahr 2008 eine heiß ersehnte Hommage an das Star Wars-Fandom ins Kino, die (wie viele weitere Produkte der Sternensaga auch) erst nach vielen Verspätungen ihre Veröffentlichung feiern durfte.
Fanboys ist nach Mel Brooks‘ Spaceballs aus dem Jahr 1987 die zweite Kinoproduktion, die sich mit dem Thema Star Wars beschäftigt und dabei ebenfalls das Genre der Komödie einschlägt. Anders als Spaceballs aber parodiert der Film nicht die weltpopuläre sechsteilige (damals noch dreiteilige) Episodenreihe sondern erlaubt sich viel mehr, die Mensch gewordenen Inkarnationen größt-möglicher Star Wars-Fans in einem Roadtrip-Movie allen erdenklichen Lächerlichkeiten auszusetzen.

So kommt es vor, dass die Fanboys auf dem Weg zur Skywalkerranch einer Hard-Rock-Schwulensippe mit einem Kiffer als Ch(i)ef über den Weg laufen, von einem der größten (mir unbekannten) Star Wars-Fan, dem man vom rein Optischen her die Gründung der Hackergruppe Anonymous zutrauen würde, verprügelt werden, und von Ray Parks Security-Legion in billigen Aluminiummasken und primitivstem Sturmtruppenauftreten verhaftet werden. Dass sich solche Lächerlichkeiten auf die Qualität des Films auswirken, dürfte verständlich sein, und so strotzt Fanboys geradezu von abstrusen und überspitzten Momenten, die sich durch ihr Niveau, das sich nicht selten unterhalb der Gürtellinie befindet, die Chance vertun, so schlecht zu sein, dass sie schon wieder gut sein könnten.

Szenen wie die, in der Hutch Linus‘ Füße rammelt, bereichern den Film in sicherlich keinem guten Sinne und lassen ihn aussehen wie einen rundum misslungenen Versuch, den Star Wars-Fans zu huldigen. Daher sei hier auch mit größter Wichtigkeit empfohlen, seine Mitseherschaft genauestens zu überdenken (die eigenen Eltern sollte man soweit wie möglich vom Film fernhalten) – und sollte ein DVD-Abend mit den Freunden geplant sein, sollte man mit den im Film üblichen Ausfragemethoden deren Fangrad überprüfen. Denn neben einem taffen Filmgeschmack benötigt es auch eine große Portion Fansein, um den Film von vorne bis hinten durchstehen zu können.

Denn trotz der ganz netten Gags, von denen allerdings leider die besten im Trailer verpulvert wurden, und der nicht gerade geringen Dichte an Star Wars-Anspielungen fremdschämt man sich in regelmäßigen Abständen zu Tode, soeben mit seinen Freunden, Eltern oder Verwandten die eigene DVD-Premiere des Films zu feiern.

Überraschenderweise stahl sich aber auch mindestens genauso oft ein Lächeln über meine Lippen, als man die direkten Vergleiche zwischen Hutchs Slave 2 und dem Millennium Falcon aus den Filmen zu sehen bekommt oder man – gegen Ende – sich genauso auf die „Premiere“ von Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung freut wie das komplett in Star Wars-Kostümen erschienene Kinopublikum.

Ebenso erfreut dürfte man über die gegen Ende auftretende gelungene melancholische Stimmung sein, als Linus, der seinen eigenen „Todesstern“ gefunden hat, mit sich selbst ins Reine kommt – wie auch Darth Vader, der dem Tod in Episode VI ins Auge blickte und ihn akzeptierte. Linus‘ dann sehr starke Präsenz lässt schon fast das Gefühl aufkommen, talentierte Schauspieler vor sich zu sehen – doch dieser Eindruck wird neutralisiert, wenn man die Gastauftritte der Stars als Vergleich hernimmt. Diese nehmen zwar wesentlich geringere Stellenwerte ein, wirken durch ihr generelles Auftreten aber schon wieder so dominant bzw. ablenkend, dass die Hauptdarsteller zunehmend in den Hintergrund geraten.

Einzig und allein Hutch, oben schon als Darsteller peinlichster Szenen genannt, überzeugt mit seiner Charakterdarstellung und kommt mit ihr schon fast an das Niveau eines Zach Galifianakis aus Hangover heran. Mit seiner schon äußerlich erkennbaren Individualität ist er es, der dem schrägen Team Zusammenhalt und dem Film ein Stück des Herzblutes verleiht, mit dem er angeblich gedreht wurde.

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Denn dieses bekommt man recht selten zu spüren. Umso öfter aber das eigene Herz, das blutet, wenn man sich vor Augen führt, dass Fanboys (trotz oder wegen allem) die schlechteste Werbung für Star Wars-Fans sein dürfte, die man sich vorstellen kann.
Einziger Trost: Trekker Trekkies bekommen eine noch schlechtere Werbung.

Sehr knappe 2 von 5 Sternen.

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11 Responses to Fanboys

  1. Owley says:

    „Einzig und allein Hutch, oben schon als Darsteller peinlichster Szenen genannt, überzeugt mit seiner Charakterdarstellung und kommt mit ihr schon fast an das Niveau eines Zach Galifianakis aus Hangover heran.“

    Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Zach Galifianakis = überzeugend?

    Aber gut, wenn du Fanboys an Hangover misst, schneidet der Film schlecht ab, denn so niveaulos und grunddoof ist er nicht. Er hat viel mehr Herz und hat bessere Pointen. 🙂

  2. Lichtschwert says:

    Fandest du Zach Galifianakis etwa nicht gut?

    Fanboys besser als Hangover? Echt jetzt?!
    Zugegeben, Hangover überzeugt nicht gerade wegen der Pointen, eher wegen der Gesamtsituation(en) – aber bei Fanboys hat mir die stellenweise sehr dominante Niveaulosigkeit die Stimmung verdorben.

  3. Owley says:

    Dafür, dass jeder Witz nur auf Zach zugeschnitten ist, spielt er schrecklich schlecht.

  4. Lichtschwert says:

    Ich hätte vielleicht statt Zach Galifianakis Alan schreiben sollen. Den Charakter habe ich nämlich gemeint, nicht den Schauspieler. 😉

  5. Owley says:

    Nun, eine Figur ist nur so gut, wie ihr Schauspieler. Daher geht das schon in Ordnung so. 😉

  6. Lichtschwert says:

    Bitte? Und wie ist das dann bei Darth Vader und Dave Prowse? 😛

  7. Owley says:

    Zum Schauspielern gehört u.A. auch Mimik und Sprache, und eine solche gibts bei Vader nicht – zumindest nicht in dem Bereich, den Prowse ausgefüllt hat. Bei Vader müsste man sagen „wie seine Schauspieler“, denn erst das Zusammenspiel der verschiedenen Darsteller macht seine Figur aus.

  8. Lichtschwert says:

    Ja, deshalb kann man die Symbolik eines Charakters nicht nur auf die Qualität des Darstellers beschränken. Drehbuch, Regie und Schnitt gehören auch dazu. 😛

  9. Owley says:

    Was aber trotzdem heisst, dass wenn der Darsteller nicht 100% gibt, nix klappt.

  10. Wienerschnitzel says:

    Ich find den Film nicht so schlimm.
    Er ist zwar keine Meisterleistung, aber 3 von 5 Sternen würde ich ihm schon geben. 😉

  11. Lichtschwert says:

    Ich habe ihm nach meiner Erstsichtung mit den Eltern sogar nur knappe 1,5 Sterne verliehen. Nach dem zweiten Mal (dann alleine) war der Film erträglicher, und so kam er mit Mühe noch auf 2 von 5 Sternen.

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