Millionär. Der Roman.

Simon Peters findet nach seiner Entlassung aus dem T-Punkt keinen Job mehr und wird zum Hartz-4-Empfänger. Sein geräumiges Apartment musste er gegen eine kleine Wohnung in Köln-Sülz eintauschen, sein Auto verkaufen. Den Alltag bestreitet er, indem er an Ritualen festhält, wie beispielsweise den morgendlichen Fahrten ins „Büro“, als das ihm ein PC im persischen Internetcafé Shahins WebWorld dient. Von dort aus schreibt er Beschwerde-E-Mails an Produkthersteller und kommt so an Gratis-Packungen, die ihm zwar über die Runden helfen, ihn aber immer weiter zu Beschwerden anregen. Zwischenzeitlich telefoniert er immer öfter mit Annabelle Kaspar, die bei der Kundenberatung von Procter & Gamble arbeitet und verliebt sich in sie. Annabelle Kaspar hat früher in direkter Nachbarschaft zu seiner jetzigen Wohnung gewohnt und während dieser Zeit immer einen Kiosk besucht, in dem er jetzt einkauft … (Quelle: Wikipedia.de)

Quelle: Amazon.de

Zugegeben, der Klappentext vermittelt keinen guten Eindruck über Tommy Jauds Millionär. Der Roman. Pseudosozialkritische Ansätze über die deutsche Kultur sind zwar die Stärken des Romans, doch kommen sie so nicht in der im Klappentext dargestellten Form vor. Der Hauptcharakter Simon Peters stapft als heruntergekommener Ex-High-Society’ler durch sein tristes Leben und bezeichnet die Weltverbesserung durch ständiges Hinweisen auf Fehler als seinen Beruf. Auf Hartz IV angewiesen, muss er in einer kleinen Wohnung in der Kölner Innenstadt zurechtkommen und darf sich schon bald zu Beginn des Romans über eine neue Mitbewohnerin über ihm aufregen, die in regelmäßigen Abständen bei Verlassen des Hauses die Musik laut aufdreht, um „chilenische Einbrecher glauben zu lassen, sie seie noch zu Hause“.

Für Simon Peters ist dies mit ein Grund, die Chance zu packen und das komplette Mietshaus zu kaufen. Wie er die eine Million Euro für den Kauf besorgen kann, ist ihm zwar nicht ganz klar, doch zum nicht mehr ganz alkoholfreien Zeitpunkt der Entscheidung zum Kauf war der Wille größer als der Verstand.

Bis zu besagter Entscheidung lebt das Buch von fehlender Handlung, welche dessen größte Stärke ist. Tag für Tag verbringt Simon sein Leben damit, seine Mitmenschen (und ganz besonders die Produkte von Procter & Gamble) verbessern zu wollen und tut dies mit grandios humoristischem Ausdruck und Gedankengang. Die Anzahl der Witze ist überdimensional groß und hätte für zehn weitere normale Komödien ausgereicht.
Wer die besserwisserliche Verschrobenheit eines Dr. Sheldon Coopers aus der Sitcom The Big Bang Theory liebt, möchte die des Simon Peters am liebsten heiraten und mit ihr Kinder kriegen.
Es ist nicht unbedingt die Art, mit der er die Welt sieht, als die Art, mit der die Welt ihn sieht und mit ihm umspringt. Eine Verfilmung dieses Romans würde nicht einmal ansatzweise die Grandiosität von Millionär. Der Roman. wiedergeben können, da diese in den Gedanken des Ich-Erzählers, Simon Peters, liegt und die so in keiner Weise verfilmt werden könnten.

Dass man einen 299 Seiten starken Roman nicht nur aus handlungsflauen, aber herrlich komisch Momenten füllen kann und dass dem Autor nach einer Weile die Ideen ausgehen könn(t)en, ist fast selbstverständlich. So gesellt sich ungefähr ab der Mitte des Buches eine simple Handlung dazu, die die Gags merklich auf Platz zwei stellen. Die Handlung will sich selbst nicht ganz ernst nehmen, was ihr aber nicht immer gelingt und den Eindruck erweckt, Tommy Jaud zwinge sich zu einem ernsteren Stil.
Diese kommt im Allgemeinen beim Leser nicht so gut an wie die Gags, doch bewegt sich Millionär. Der Roman. weiterhin auf sehr gutem Unterhaltungsniveau. Das merkt man daran, dass man trotz der simpel gestrickten Geschichte das Buch kaum aus der Hand legen möchte (vielleicht auch wegen des sympathischen Hauptcharakters) und die eigene Konzentration selten bis nie abdriftet.

Was der Leser aber trotz der ganz leicht schwächelnden Handlung von Millionär. Der Roman. hat, merkt er, als mit unerwarteter Plötzlichkeit der einseitige Epilog erscheint und man sich so sehr die Fortsetzung kaufen möchte. Und bei der Bestellung erst merkt, dass es sich dabei um den Vorgängerband handelt.

Grandiose 5 von 5 Sternen.

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One Response to Millionär. Der Roman.

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