Ein Reifethema

In letzter Zeit ist mir eine bereits lang andauerende Veränderung an/in/bei mir aufgefallen. Sie hängt, denke ich, mit dem Erwachsenwerden und dem Tragen von Verantwortung zusammen und ist ein wichtiger Brückenpunkt zwischen dem Leben eines Teenagers und dem eines gereiften Menschen.
Die Rede ist von Politik und meiner Einstellung zu ihr.

Wer kennt das nicht? Als Kind und meistens auch als Teenager ist das Thema langweilig, man interessiert sich überhaupt nicht dafür und konzentriert sich bei den Nachrichtensendungen über Reden aus dem Bundestag eher auf die hübschen Besucherinnen, die Teile eines Klassenausflugs sind und im Fernsehen ab und zu nebenbei eingeblendet werden.
Politik machen Leute, die sich Politiker nennen und damit zu einer beruflichen Gruppe gehören, die genauso aufregend und spannend ist wie die ihrer meisten Zweit-/Nebenjobs. Die meisten sind nämlich außerdem noch Anwälte, und haben die bei der normalen Bevölkerung ein ähnliches Ansehen.

Die Politik schien sich in meiner Kindheit immer nur um dieselben Themen zu drehen; zumindest dann, als ich bei den Nachrichten auch mal zugesehen habe. Meistens habe ich nur zugesehen, weil ich gehofft hatte, Nachrichten zu neuen Kinofilmen oder sonstigen, eher der Unterhaltungsbranche zuzuordnenden Meldungen zu vermittelt bekommen.

Mit der Zeit und mit zunehmenden Alter hat die Schule ein gewisses Interesse an Politik gefordert, welches in Projekte einfließen sollte. Man informierte sich also über ein gewisses Thema, verfolgte es in den Nachrichten – und ehe man es sich versah, war man gewissermaßen politikinteressiert.

Die Schule und ihre zahlreichen Projekte haben ein Interesse für Politik bei mir geweckt, was meine Einstellung zu ihr von Grund auf verändert hat. Zwar habe ich – trotz zahlreicher Reformen und politischer Umstürze – nur wenige, relevante Veränderungen, die mit der Politik in Zusammenhang stehen könnten, in meinem Leben bemerkt, doch ich weiß, dass Politik sehr wichtig ist; etwas, das ich vor noch nicht einmal fünf Jahren noch überhaupt nicht wahrhaben wollte.

Wenn ich heutzutage Nachrichten anschaue (was nun häufiger vorkommt als früher), so gibt es für mich nicht nur ein oder zwei Themen, die für mich interessant sind. Es sind fast alle Themen, denen ich konzentriert lausche und über die ich mir meine eigene Meinung bilde. Ein Beispiel ist die Griechenlandrettung, welche mich vor einem halben Jahr (falls Griechenland damals überhaupt schon gefährdet war) noch nicht interessiert hat. Doch ihre kontinuierliche Medienpräsenz hat mich dazu gebracht, doch „einfach mal zuzusehen/zuzuhören“. Und wenn man das tut, kann man meistens nicht mehr damit aufhören.
Es ist, als würde man der Neugierde halber eine Folge aus einer dem Zuschauer unbekannten Serie schauen. Man will wissen, wie es weitergeht, und kann beim nächsten Mal nicht teilnahmslos weiterzappen.

Die Rettung des amerikanischen Haushaltes, dessen maximale Schuldengrenze mittlerweile erreicht ist, ist ebenfalls ein Thema, das mich nun schon seit einigen Wochen interessiert, und dessen Wichtigkeit mir vielleicht wegen meines „höheren“ Alters und der stets wachsenden Weisheit Reife nun endlich klar geworden ist.

Diese Weisheit Reife hat aber auch eine gewisse Intoleranz denjenigen gegenüber zur Folge, die sich in meinem oder noch höheren Alter nicht für Politik interessieren. Wer behauptet, Politik interessiere ihn nicht, weil er es langweilig finde, hat die ihm durch das Alter zustehende Reife in meinen Augen noch nicht erreicht.
Diese Unreifheit will ich meinen ehemaligen Klassenkameradinnen (welche alle ungefähr in meinem Alter waren) nicht vorwerfen, doch hat es mich mehr als nur dezent überrascht, dass ich ihnen beim Beginn eines Politkreferats erklären musste, wer Karl-Theodor zu Guttenberg war. KT, der Deutschen damaliger Verteidigungsminister und Lieblingspolitiker.

Wenn ich das nächste Mal einen kleinen Knirps sehe, der mir sagt, dass er Politik stinklangweilig und tot-ätzend findet, werde ich mich selbst ein klein wenig ihn ihm sehen und mir denken, dass ihm (hoffentlich!) irgendwann derselbe Interessenwechsel wie mir bevorsteht.

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15 Responses to Ein Reifethema

  1. siver says:

    Wenn man sich für Politik interessiert weiß man wenigstens, wann man mit welchem Schild auf die Straße zu gehen hat :P.

    Wenn ich so drüber nachdenke, fällt mir auf das ich eigentlich recht viel Nachrichten schaue. In der Halbzeitpause von Fußballspielen, wenn die Lieblingsserie zuende ist und ich keine Lust habe umzuschalten… Oder wenn man mal statt „StarWars-Union.de“ auf „Aktuelle Nachrichten“ im Firefox klickt.

  2. Lichtschwert says:

    „Wenn man sich für Politik interessiert weiß man wenigstens, wann man mit welchem Schild auf die Straße zu gehen hat 😛 .“
    Leider gehen aber auch genügend Leute auf die Straße, die offensichtlich keine Ahnung davon haben. 😕

    Zum Rest kann ich nur sagen, dass ich allein schon durch das Checken meiner E-Mails auf t-online.de regelmäßig auf den neuesten Nachrichtenstand gebracht werde. Die Artikel dort sind zwar nicht wirklich des Lesens wert, aber zumindest schnell. Und was den Informationsgrad angeht: da genügt mir die Aktualität.

    Man kann im Prinzip nicht früh genug damit anfangen, sich über die Politik weiterzubilden. Von daher finde ich gut, was du machst.

  3. Wienerschnitzel says:

    Ich hab im Grunde auch nichts gegen die Proteste, wenn die Protestierenden zumindest eine halbwegs vernüftige Lösung parat haben.

    Was mich am meisten bei den Politikern stört, ist das sie, vor allem bei Wahlkämpfen, das Blaue vom Himmel versprechen.
    Warum können Sie nicht ein bisschen ehrlicher sein?

  4. Lichtschwert says:

    Das schlimme ist ja, dass die Schlimmsten unter ihnen ihre Wahlversprechen auch noch einhalten.
    Steuersenkungen! Jetzt?!
    %Ҥ$!<%& !

  5. Wienerschnitzel says:

    Das ist wirklich sehr interessant.
    Hab bei uns auch in den Zeitungen gelesen, das die Steuren gesengt gehören, aber die Politiker reden darüber nicht. Dafür kommt jetzt in unsere Bundeshymne auch Töchter vor.

    Wie bei uns die Studentenstreiks waren, gab es auch einmal eine super Aussage:
    „der Staat sollt den Unis mehr Gled geben, er hat ja eh genügend.“
    Da hab ich mir Gedacht, ob die schon mal was von Defizit gehört haben.

  6. Lichtschwert says:

    Zu Letzterem muss ich dir Recht geben, aber bei Ersterem verstehst du wohl nicht, was ich gemeint habe.

    Die FDP in Deutschland hat vor den Wahlen mit Steuersenkungen geworben (was damals schon sehr dumm war, bei unserem hohen Schuldenstand). Nun bricht ein EU-Land nach dem anderen weg und droht, in Schulden zu versinken. Deutschland ist wohl das Land, das am meisten Gelder für die verschuldeten Länder „spendet“ – und da denken Nasen wie Guido Westerwelle und Philipp Rösler (vielleicht hast du als Nichtdeutscher schonmal von denen gehört) an Steuersenkungen!
    Da rege ich mich total auf. Die voraussichtlich mickrigen Steuersenkungen bringen dem Einzelnen pro Monat vielleicht ein paar Euro, aber der Staat muss auf Milliarden durch Steuereinnahmen verzichten.

  7. Wienerschnitzel says:

    Ich hab dich schon richtig verstanden.
    Ich meine es ist interessant, dass bei euch die Politiker das durchsetzen (was in jetztiger Zeit wirklich nicht gut ist), bei uns steht dieses Thema nur in den Zeitungen (Unsere Politiker reden nicht über Steuersenkungen).
    Was ich von den Zeitungen komisch finde ist das sie unsere Steuern mit den Steuern von Griechenland vergleichen und dann meinen die Politiker sollen unsere Steuern senken.
    Da denk ich mir, ob sie ganz vergessen haben das Griechenland pleite ist oder sie wollen auch das wir solche Umstände bekommen.

  8. Lichtschwert says:

    Bei euch scheint ja noch alles okay zu sein. Da sind die Klügeren an der Macht. 😉

  9. Wienerschnitzel says:

    Würd ich so mal nicht behaupten, aber zumindest bei den Thema sinds im Moment noch klüger. Aber die österreichischen Politiker, machen gerne den deutschen Politikern nach.

    Falls dich die Politik im Nachbarland ein bisschen interessiert:
    http://derstandard.at/Inland

    Wenn du dich mit den Parteien in Österreich nicht sogut auskennst:
    ÖVP = CDU/CSU
    SPÖ = SPD
    FPÖ = NDP
    Grünen = Grünen
    (zumindest würde ich die Parteien so zuordnen ;))

    Was ist eine gute Internetseite für die Innenpolitik in Deutschland?

  10. Lichtschwert says:

    Hey, du scheinst dich ja ganz gut auszukennen (über die Parteien Deutschlands). Allerdings schreibst du, dass die FPÖ mit der NDP zu vergleichen ist, welche es in Deutschland aber nicht gibt.
    Meinst du da die FDP (Liberal) oder die NPD (rechtsradikal)?
    So politisch gesehen treibe ich mich im Netz nicht allzu viel rum (eher auf allgemeinen Seiten), aber wir haben den stern abonniert, und der bringt eigentlich ganz gute Artikel – ergo die hier.
    Hier in Deutschland gibt es sehr selten bis nie Berichterstattungen zu Österreich oder der Schweiz – wie sieht es denn da bei euch zu News aus Deutschland aus? Deutscher Nachrichtengehalt in Prozent, ungefähr?

  11. Wienerschnitzel says:

    Ups, da ist mir eine Fehler unterlaufen, meinte natürlich NPD. 😉
    Die FPÖ ist offiziell nicht rechtsratikal, aber man weiß das einige Parteimitglieder Nähe zum Rechtsextremismus haben.

    Bei uns gibts auch nicht wirklich viele Berichterstattungen zu Deutschland.
    Aber 1 Beitrag, wird schon dabei sein. Aber ich sehe selten die Nachrichten im TV.
    Bin da mehr im Netz unterwegs und da kommen mir einige Berichte zu Deutschland über den Weg. 😉
    Über die Schweiz hört man bei uns auch nicht wirklich etwas.

    Danke für den Link.
    Hab bisher her glaubt der Stern ist so wie die Bild.
    Kenn mich nicht so mit deutschen Zeitungen aus.

  12. Lichtschwert says:

    Dann ist eure FPÖ ja vergleichbar mit unserer Linken. Sie behaupten zwar, nichts (mehr) mit der DDR zu tun zu haben, aber ihre alten Verbindungen zur Stasi können sie nicht leugnen. 😉

    Nein nein, der stern ist nicht mit der Bild zu vergleichen (welche übrigens das Sprachrohr der Hartz-IV-Leute, RTL-Zuschauer und CDU-Anhänger ist). Der stern ist ein Magazin, erscheint jeden Donnerstag (heute ist die neueste Ausgabe bei uns reingeflattert) und bietet (meines Erachtens) gute und seriöse Berichterstattungen und ist sich nicht zu schade, führende Politiker offen zu kritisieren und ihre Ziele zu hinterfragen.

    Da stellt sich mir die Frage (wenn ich darf): für welche politische Richtung bist du denn so?

  13. Wienerschnitzel says:

    Das die Bild keine qualitativ hochwertige Zeitung ist habe ich gewusst.
    Der Stern hat mir was vom Namen gesagt, aber mehr habe ich von ihm nicht gewusst.
    Bei uns ist die Krone wie die Bild würde ich mal sagen.
    Aber die Österreich ist die schlechteste Zeitung die ich kenne.
    Z.B: beim „Wetten dass..?“-Unfall von Samuel Koch, hatte Österreich am Titelblatt „Wetten dass..?“ mit der Schlagzeile „Robbie hält die Quote hoch“ (http://unterhaltung.t-online.de/-wetten-dass-unfall-oesterreichische-zeitung-erfindet-tv-kritik/id_43651076/index)

    Früher hätte ich eher ÖVP gesagt, aber mittlerweile bin ich ziemlich neutral und versuche bei Wahlen das geringste Übel zu wählen. (Also wer die realistischsten Ziele hat)

  14. Lichtschwert says:

    Ach du meine Güte, das ist ja abscheulich, was eure „Österreich“ da gebracht hat.

    Ich meine, das Prinzip einer Preview in Form einer Review müssten bestimmt schon andere Zeitungen veröffentlicht haben (ohne dass die Leser es gemerkt haben), aber das da war dann ja wohl ein Schuss in den Ofen.

    „Früher hätte ich eher ÖVP gesagt, aber mittlerweile bin ich ziemlich neutral und versuche bei Wahlen das geringste Übel zu wählen. (Also wer die realistischsten Ziele hat)“
    Aber doch nicht etwa die FPÖ, oder? 😉

  15. Wienerschnitzel says:

    Ich glaube das war eh die größte Panne von der Österreich.
    Aber dir Grammatik- und Rechtschreibfehler sind teilweise auch ziemlich heftig.

    Auf jeden Fall, die Plakate sind ja auch so toll. 😉
    (http://www.stadt-wien.at/politik/archiv/wahlplakate/wahlplakate-fpoe.html)

    Für welche politsche Richtung bist du?

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