Star Wars: Das Erbe der Jedi-Ritter

Die folgende Kritik befasst sich mit der kompletten, 19-teiligen, deutschsprachigen Romanreihe Das Erbe der Jedi-Ritter aus der Star Wars-Literatur.

25 Jahre nachdem Jedi-Ritter Luke Skywalker die Galaxis vom Imperator und Darth Vader befreit hat, erscheint aus den Tiefen des Universum eine neue Bedrohung, die sich gegen sämtliche Völker der Galaxis wendet und deren totale Zerstörung bedeuten könnte …

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Im Jahr 25 nach dem Tod des Imperators fallen unbekannte Invasoren aus einer fernen Galaxie in die uns allen bekannte Galaxis ein. Sie nennen sich Yuuzhan Vong, sind religiöse Fanatiker mit starkem Drang zur Brutalität und zu Selbstverletzung. Ihre Biotechnologie weist jedewede Art der maschinellen und künstlichen Technologie ab, was zur Folge hat, dass jede Art von Gebrauchsgegenstand, Waffe, Schiff und Panzerung frei von Metall und Elektrik ist. Als Materialien verwenden sie Yorikkorallen, lebende Organismen, die selbst der Klinge eines Lichtschwerts standhalten können.

Luke Skywalker, Anführer des Neuen Jedi-Ordens, sieht sich gezwungen, seine jungen Jedi-Schützlinge in einen Krieg zu ziehen, der auf beiden Seiten viele Verluste fordern wird. Jedoch lassen sich die Yuuzhan Vong nicht mit gewöhnlichen Jedi-Mitteln bekämpfen, denn die Invasoren lassen sich mit der Macht nicht wahrnehmen. Sie stehen außerhalb der Macht und lassen die Jedi zu vielen improvisierten Alternativen greifen müssen …

Nachdem ich vor rund zwei Monaten den letzten Band der 19-teiligen Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe fertig gelesen habe, möchte ich nun die komplette Reihe mit diesem Artikel rezensieren. Die Kritik ist so weit wie möglich spoilerfrei und somit vor allem für all diejenigen interessant, die die Reihe bislang noch nicht gelesen haben, aber über einen Kauf nachdenken.

Als ich die Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe vor vier Jahren zu Weihnachten zur Hälfte geschenkt, zur Hälfte selbstbezahlt, bekommen habe, war mir nicht bewusst, auf was für eine gigantische Buchreihe ich mich eingelassen habe. Natürlich habe ich gewusst, dass ich eine lange Zeit für die 19 Romane brauchen werde, aber ganze vier Jahre überschritten meine Vorstellungen.
Zunächst möchte ich kurz erklären, dass ich mir die Reihe auf Grund einer Empfehlung eines Bekannten zugelegt habe, der im Besitz eines jeden der 19 Bände war und sie verkaufen wollte. Das unglaubliche Angebot von nur insgesamt € 100,- (wobei die Hälfte von meinen Eltern als Weihnachtsgeschenk kam, die andere Hälfte habe ich selbstfinanziert) konnte ich nicht ausschlagen, zumal mir die Reihe durch das heute inaktive Forum auf der StarWars-Union.de bereits vom Hörensagen bekannt war und sie damals in aller Munde war. Sie gilt/galt als Meilenstein in der wohl nie enden wollenden Star Wars-Literatur, von der Bedeutung vergleichbar mit der legendären Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn.

Um allerdings keinen Star Wars-Overkill zu bekommen, habe ich bereits früh entschieden, zwischen jedem der Das Erbe der Jedi-Ritter-Romane, die fortan meine einzigen Star Wars-Romanlektüren wurden, ein Nicht-Star Wars-Buch zu lesen. Daher würde man für ein gewöhnliches Durchlesen der Reihe nicht die von mir beanspruchten vier Jahre benötigen, sondern – vermutlich – „nur“ zwei; vorausgesetzt, man liest ein Nicht-SW-Buch genauso schnell wie ein Das Erbe der Jedi-Ritter-Buch.

Übrigens ist fast jedes Buch der Reihe ein Beinahe-Wälzer. Mit durchschnittlich 438 Seiten sind die Bücher nicht gerade kurz gehalten, die übrigens von insgesamt zwölf Autoren verfasst wurden. Damit bietet die Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe zwar einen Band weniger als die band-mäßig größte Star Wars-Literaturreihe, Jedi Padawan, ist dafür allerdings mit weitaus mehr Seiten ausgestattet und bietet neben einer höheren Qualität in sämtlichen Belangen auch spannendere Geschichten.

Trotz des hohen Anspruchs eines jeden Bands stellt sich nach wenigen Romanen nach dem fesselnden Beginn der Reihe eine gewisse Überdrüssigkeit beim Leser ein. Die Bewohner der Galaxis sehen sich mit dem Bekriegen der Yuuzhan Vong überfordert, was zu vielen Kleinscharmützeln in den Äußeren Randgebieten führt. Ein Planet nach dem Anderen verfällt den Invasoren; um bislang verschont gebliebene Planeten vor den Yuuzhan Vong und der schnell gegründeten Splittergruppe namens Friedensbrigade, bestehend aus Bewohnern dieser Galaxis, die von den Verlockungen der Vong, bei einer Allianz verschont zu bleiben, verführt wurden, zu schützen, teilen sich die Helden Luke Skywalker, Han und Leia Solo sowie deren erwachsen werdenden Kinder Jaina, Jacen und Anakin auf. Teilweise auf Einzelmissionen bereiten sie die Planeten auf sämtliche Plagen des Krieges vor, was nicht selten in mitunter belanglosen Aufträgen ausartet. So arbeiten Han und Leia Solo beispielsweise zu Beginn des Krieges auf dem Planeten Duro für dessen Bevölkerung, deren Kleinprobleme den Leser im Hintergrund einer galaxisübergreifenden Invasion recht wenig interessieren. Leider wiederholt sich das Schema solcher Kleinmissionen/-probleme in den ersten Romanen viel zu oft, sodass einem selbst die (sozialen) Probleme der sympathischen Helden nach einer Zeit zu viel werden und man sich nach einer nennenswerten Schlacht sehnt.

Wer von den ersten Bänden nicht sonderlich abgeschreckt wird, dem empfehle ich, zumindest bis Band 13, Verräter, durchzuhalten, was für mich zwar nicht der beste, wohl aber der interessanteste Teil der Reihe ist. Verräter stellt nicht nur einen Wendepunkt im Verlauf des Kriegs dar, sondern bietet der angehenden Hauptperson Jacen Solo einen gewaltigen Charakter- und generellen Entwicklungssprung. Des Weiteren wird in Verräter die wohl philosophischste Figur seit Meister Yoda näher beleuchtet, was bei der sprachlichen Gewandtheit des Autors Matthew Stover ein wahrer Lesegenuss ist.
Wer die Freude des Lesens an Band 13 mit mir teilt, der wird sicherlich auch den Rest der Reihe lesen wollen, denn das Interesse am Verlauf des Krieges bekommt einen gewaltigen Wachstumsschub. Zudem wäre es äußerst schade, wenn man das Geld für sage und schreibe 13 Bände ausgibt, um dann noch nicht einmal zu erfahren, welches Ende die Geschichten nehmen werden.

In den 19 Romanen findet jeder der Hauptcharaktere seine eigene Rolle im Krieg und in der neu aufzustellenden Gesellschaft. Bis es aber soweit ist, müssen sich die Helden (Luke, Han, Leia, Jacen, Jaina, Anakin, Jagged Fel, Tahiri Veila, Nom Anor, …) an die durch den Krieg eintretenden Veränderungen anpassen, was – bei so vielen Hauptcharakteren – ziemlich langatmig ausfallen kann. Doch jeder Charakter hat eine eigene Entwicklung verdient, und gut Ding soll bekanntlich Weile haben. Nachdem zum Beispiel das Ehepaar Han und Leia Solo einen schweren Schock überstanden hat (es ist nicht mehr wirklich ein Spoiler, doch nennen möchte ich den Schock hier trotzdem nicht unbedingt ;-)), ereilt sie bereits der nächste. Aus diesen schlimmen Erfahrungen gehen aber beide gestärkt wieder heraus, und nun, wo ich die Reihe fertig gelesen habe, ist es interessant, auf Hans und Leias „Genesung“ in den schweren Zeiten, die sie teilweise sogar getrennt erlebt haben, zurückzublicken.

Der wohl interessanteste Charakter der Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe ist übrigens keiner der Guten, sondern einer der Bösen, ein Yuuzhan Vong namens Nom Anor. Er ist ein Kundschafter und Saboteur und war einer der ersten Invasoren, die die Galaxis – Jahrzehnte vor dem Beginn der Invasion – erforschen und ausspionieren sollten. Für mich ist er der interessanteste Charakter, da er eigentlich nie abgrundtief böse ist, wie es im Prinzip nahezu jeder seiner Spezies ist, sondern sich stets der „Fehler“, die sich die Yuuzhan Vong selbst antun, bewusst ist. Er sieht sich selbst als etwas besonderes an, womit er meist aber nicht Unrecht hat. Als Meister der Tarnung und Täuschung spielt er nicht nur den Jedi ein Spiel vor, sondern auch seinen eigenen Vorgesetzten, die schon früh im Verlauf der Geschichte zu seinen eigenen Feinden werden. Er sieht sich selbst zwischen den Fronten gefangen und muss sich fragen, wem er noch trauen kann, wenn ihm selbst keiner traut.

Die oben bereits genannten einzelnen, eher weniger interessanten Kleinmissionen führen dazu, dass die Romane – alleinstehend – keine wirklichen Prachtbände sind. Außerdem kommt negativ erschwerend dazu, dass innerhalb der Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe wiederum andere Reihen eingebaut sind, meist Zwei- oder Dreiteiler, die selbstverständlich nicht selten mit einem actionarmeren Einstieg beginnen und erst gegen Ende ihr Potenzial an Schlachten zeigen. Betrachtet man die Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe dagegen als Einheit, ist sie im Großen und Ganzen sehr stimmig. Die zahlreichen Charakterentwicklungen, philosophischen Fragen, welche aufgeworfen werden (meistens durch Jacen Solo), die harte Darstellung des Krieges, die brutale Lebensweise der Yuuzhan Vong und nicht zuletzt der nicht geringe Leseanspruch sorgen dafür, dass Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe die vielleicht erwachsenste Buchreihe der Star Wars-Literatur ist und von daher eher dem erfahreneren Leser zu empfehlen ist. Ab wann man sich selbst als „erfahren“ einschätzt, bleibt jedem selbst überlassen. Dies hängte wohl auch mit den vorangegangenen und bereits gelesenen Lektüren zusammen; wer bislang von der Star Wars-Literatur zum Beispiel nur Jude Watsons (Jedi Quest, Jedi Padawan) gewohnt ist, sollte vorerst besser die Finger von der 19-teiligen Reihe lassen. Außerdem empfiehlt es sich, ein gewisses (und großes) Grundwissen über das Erweiterte Universum zu haben. Die Thrawn-Trilogie gilt, wie so oft, als Minimum und Grundstein zahlreicher Geschichten. Viel mehr Wissen über die Zeit nach dem Fall des Imperiums lag mir während des Einstiegs in die Reihe auch nicht vor, man sollte also auch damit zurecht kommen können.

Auch das recht unkreative und eher laue Finale im letzten Teil kann das ansonsten sehr gute Gesamtbild, das Das Erbe der Jedi-Ritter an sich trägt, nicht sonderlich beeinträchtigen, unerwähnt soll es aber dennoch nicht bleiben, da ein Finale/Ende für gewöhnlich doch einen recht hohen Stellenwert hat.
Wer viel Geduld und ein nicht zu gering ausgestattetes Portemonnaie besitzt, darf sich prinzipiell ohne Bedenken an der Megareihe versuchen. Ist man von der Reihe angetan, sollte man sich Star Wars-Literaturtechnisch jedoch auch in sie vertiefen und Abstecher in andere Epochen und Literaturreihen meiden, da man sonst schnell den Faden verliert.
Bleibt man ihr über die Zeit „treu“, taucht man in ein unterhaltsames und faszinierendes Leseuniversums innerhalb eines anderen wunderbaren Universums ein, auch wenn es mit 8.324 Seiten vielleicht ein wenig zu lang ausgefallen ist.

Die Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe erhält knappe 4 von 5 Sternen.

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2 Responses to Star Wars: Das Erbe der Jedi-Ritter

  1. siver says:

    Da habe ich ja noch 8.217 Seiten vor mir :). Ich habe zwar noch nicht viel von dem ersten Band gelesen, aber es ist mir recht schwergefallen, „umzudenken“, von der Thrawn – Triologie loszukommen, sich klar zu machen, dass das Ganze ja schon ein paar Jährchen später spielt :). Aber so langsam klappt es. Scheint interessant zu werden – naja, ich lasse mich dann mal überraschen.

  2. Lichtschwert says:

    Ich wünsche dir gute Unterhaltung!

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