Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1

Harry Potter und seine Freunde Hermine und Ron verlassen Hogwarts, um sich ganz der Suche nach Voldemorts Horcruxen zu widmen, in die der Dunkle Lord Teile seiner Seele gesperrt hat, um sich vor dem Tod zu schützen. Während ihrer Reise durch ganz England stoßen Harry, Ron und Hermine auf ein altes Zauberermärchen, in dem die Heiligtümer des Todes – Gegenstände, mit denen man mehr oder weniger dem Tod entgehen kann – erwähnt werden. Sollte das Märchen wahr sein, haben Harry und seine Begleiter vielleicht einen Weg gefunden, Lord Voldemort Einhalt zu gebieten und die Zaubererwelt vom Bösen zu befreien …

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Es war eine äußerst kluge Entscheidung der Entwickler, Joanne K. Rowlings letzten Band in zwei Filme aufzuspalten. Das Finale der Buchreihe erhält somit die Möglichkeit, in zwei Filmen gezeigt zu werden, was natürlich den Vorteil hat, dass im Film mehr gezeigt wird. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich die Filmemacher stärker an der Buchvorlage orientieren können, was sie bei Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 auch zur Gänze ausgenutzt haben.

Dieser Film ist nämlich der Potter-Film, der am nähesten zur Buchvorlage ist. Es mag zwar drei einhalb Jahre her sein, als ich das Buch gelesen habe und dadurch nur noch wenige Erinnerungen an das Buch in meinem Kopf vorhanden sind, doch durch die detaillierte Darstellung im Film habe ich mich an so manche Buchszene erinnern können und war froh, dass es so viele in das Drehbuch geschafft haben.
Teil 1 ist ein Harry Potter-Film, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Hogwarts, die Schule für Zauberei und Hexerei, für mich war sie immer Schauplatz der schönsten Buch- und Filmmomente, kommt nicht mehr vor. Der ganze Film spielt in den Ländereien und Städten Englands, und ist zugleich auch der düsterste der Filme. Nach Harry Potter und der Halbblut-Prinz, der den Weg der steigenden Düsternis seiner vorherigen drei verlassen hat, begibt sich die Filmreihe wieder in die Finsternis.
Zahlreiche Menschen, Zauberer und sonstige Wesen fallen den Schergen Voldemorts und dem Dunklen Lord persönlich zum Opfer; so viele wie in noch keinem Harry Potter-Film. Harrys Eule Hedwig etwa, die ihn durch alle Filme als Freundin begleitet hat, stirbt bereits in der ersten Hälfte und macht mit ihrem Ableben deutlich, dass dies der ernsteste Film wird.
Verglichen mit Dobbys späterem Tod, ebenfalls getötet durch einen Todesser, kommt Hedwigs Tod viel zu kurz. Hedwig hatte zwar nie eine sonderlich große Rolle, spielte allerdings in jedem der bisherigen Filme mit. Dobby, der Hauself, dagegen spielte lediglich in Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Teil 2, mit, bekommt aber gegen Ende des siebten Teils einen weitaus dramatischeren und bedeutungsvolleren Tod verliehen als Hedwig.

Wo wir schon bei Hedwig sind: nach ihr wurde die berühmte Melodie, komponiert von John Williams, benannt. Alexandre Desplat, Komponist der Musik zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1, meinte in einem Interview, diese Melodie so oft wie möglich zu verwenden, da sie – und diese Meinung teile ich – in den letzten Filmen zu wenig Beachtung bekam. Leider hat er sein Versprechen nicht gehalten und verwendete sie im Film kein einziges Mal. Nicht einmal, als der Filmtitel auf der Leinwand erschien (die Szene, in der bislang jedes Mal die Melodie erklang), wurde sie eingebaut. Da mag seine restliche Filmmusik noch so hervorragend und einwandfrei sein, den Flair der Harry Potter-Saga vermag in meinen Augen bzw. Ohren lediglich diese Musik zu erbringen.

Dafür hat dieser Film etwas zu bieten, was bislang in jedem Harry Potter-Film für tolle Unterhaltung gesorgt hat: eine überaus überzeugende und hervorragende Schauspielerei. Wie immer brillieren Emma Watson und Rupert Grint als Hermine Granger und Rupert Grint. Ihre bislang bedeutendsten Rollen erhalten die beiden jungen Schauspieler in diesem Film und erreichen einen schauspielerischen Höhepunkt, der der Qualität ihrer vergebenen Rollen in nichts nachsteht. Obwohl Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 der düsterste Film ist, bietet er sehr viel Humor, der zwar in kleinen Mengen, dafür aber regelmäßig und in passenden Momenten eingestreut wird.

Während der über zwei Stunden langen Reise von Harry, Ron und Hermine (der ganze Film ist im Prinzip eine Reise durch England) entstehen Konfliktsituationen, die es zu bewältigen gilt. Streitereien führen zu Trennungen und Misstrauen, und werden so feste Bestandteile des Trips. Am Ende finden Harry, Ron und Hermine selbstverständlich wieder zusammen, was ihre Freundschaft erneut erstarken lässt und ihrer Nahezu-Unzertrennlichkeit mehr Glaubwürdigkeit verleiht als wenn sie reibungslos durch England irren würden.

Trotz der guten Mischung aus Humor, Spannung und – natürlich – Action entsteht nach gut 100 Filmminuten das Gefühl der Überlänge. Während bei jedem anderen Film bereits das Finale eingesetzt hätte, was bei Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 natürlich schlecht geht, da man sich das Finale für den zweiten Filmteil aufhebt, befindet man sich im Film immer noch im dennoch überzeugenden Hauptteil.
Wie hätte man der Überlänge entgehen können? Indem man statt zwei doch nur einen Film gedreht hätte und diesen auf eine Länge von vielleicht drei Stunden gestrafft hätte. Dann wäre aber vermutlich Eile und Hektik entstanden, was dem grandiosen Finale aus dem Buch aber nicht gerecht worden wäre. Dann doch lieber Überlänge …

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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 ist ein bislang beispielloser Potter. Es ist der Film, der wohl am besten ohne die fabelhaften Hogwartsszenen auskommt, der Film, der am gekonntesten mit der Dünsternis umzugehen weiß, und der Film, der leider ohne Finale auskommen muss und im Prinzip nur aus einer langen Reise besteht, die erst im kommenden Teil ihr Ende finden wird. Dies darf man ihm aber nicht ankreiden, auch wenn die Entscheidung der Produzenten, das Buch in zwei Filme aufzuteilen, sicherlich auch durch kommerzielle Hintergedanken entstanden ist.
Er meistert jedenfalls seine Rolle als Einleitung des Finales. Man spürt, dass die vielen Handlungsfäden miteinander verknüpft werden und dass es nicht mehr darum geht, Zaubersprüche auswendig zu lernen, sondern den vielleicht mächtigsten Zauberer der Welt aufzuhalten.
Trotz ein paar Längen in der Handlung, der Überdramatisierung von Dobbys Tod im Vergleich zu Hedwigs Tod, und der frechen Nichtverwendung des Hedwig’s Themes überzeugt der Film und erhält äußerst knappe, nach größerem Nachdenken vielleicht doch besser auf 4 heruntergeschraubte 4,5 von 5 Sternen. Doch der erste Eindruck nach dem Film zählt, und die 4,5 stehen.

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15 Responses to Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1

  1. graval says:

    Ja du hast schon Recht, Hedwigs Tod wurde kaum behandelt im Film, Dobbys dagegen etwas stark. Aber Hedwigs Theme kommt tatsächlich vor, habe ich auch erst beim zweiten Sehen bemerkt, ich glaube, es war sehr zu Beginn. Dass es aber keine weitere Verwendung findet liegt daran, dass es nunmal das Thema der Eule Hedwig ist, die früh stirbt, weshalb das Thema nicht mehr vorkommt. 🙂

    Imho ein sehr sehr gelungener Potter mit kleinen Schwächen (Tanzszene, Verfolgungsjagd der Greifer, Ende der letzten Szene) und einigen Stärken (Düsterness, Finalszene, Nick Cave) 🙂

  2. Wienerschnitzel says:

    Kann euch beiden nur zustimmen. Ich habe Doobys Todesszene und die Tanzszene irgendwie lächerlich gefunden.
    Im großen und ganzen hat mir der Film sehr gut gefallen, außerdem wäre mir keine Überlänge aufgefallen.

  3. Lichtschwert says:

    „Dass es aber keine weitere Verwendung findet liegt daran, dass es nunmal das Thema der Eule Hedwig ist, die früh stirbt, weshalb das Thema nicht mehr vorkommt.“
    Das ist ein Argument, okay. Aber warum meint dann Alexandre Desplat, es so häufig wie möglich einbauen zu wollen, wenn er weiß, dass Hedwig stirbt? Ich denke, man sollte das Theme weiterhin verwenden, auch wenn Hedwig tot ist. Immerhin ist es – denke ich – nicht nur Hedwig’s Theme, sondern mittlerweile das Theme zu Harry Potter …

    Wer bitte schön ist denn Nick Cave?

    Was habt ihr denn an der Tanzszene auszusetzen gehabt? Durch sie wurde doch erst so richtig deutlich, dass Ron mit seinen Eifersuchtsfantasien nicht unbedingt unrecht hatte, obwohl Harry und Hermine ihm da widersprachen.

  4. graval says:

    Desplat hat es gar nicht so oft eingebaut, meinte ich. Vielmehr sich stark an dem Musikstil von Williams (der Teil 2 nun doch nicht scored, sondern Desplat) orientiert.

    Nick Cave ist Sänger des Songs, der in eben dieser Tanzsszene erklingt, und dadurch die Szene erträglich macht. O Children heisst der Track. 🙂

    Und die Szene ist mir zu kitschig zu „hach-lachen-wir-à-la-Best-Time-Of-Our-Lives“-artig. Und kommt so zusammenhangslos daher, da kannst du mir noch so sagen, was sie ausdrückt, sie wirkt einfach ziemlich plump.

  5. Lichtschwert says:

    Mir gefällt sie dennoch. Selbst nach dem zweiten Anschauen (auf YouTube). 🙂

    Schade, dass John Williams die Musik zu Teil 2 nicht komponiert. Allerdings erhält das zweiteilige Finale somit zumindest einen durchgehend gleichbleibenden Score und macht nicht möglicherweise zu Beginn des zweiten Teils eine 180°-Wende in Sachen Musik.

  6. graval says:

    Jep, daher kann ich diesen ausbleibenden Komponistenwechsel ganz gut verkraften. 😉

    Sag mal, wie gefällt dir denn der Track so? 🙂 Bin grad so neugierig ^^

  7. Lichtschwert says:

    Ich habe mir den Soundtrack jetzt komplett auf YouTube angehört. Im Kino hat er mir bei Weitem besser gefallen, was aber eigentlich nichts über die Qualität aussagen soll. Die Musik zu Der Herr der Ringe kommt im Film überragend an; als ich mir vor ein paar Wochen die CDs zu Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs ausgeliehen habe, war ich schwer enttäuscht. Anders als bei John Williams, macht es keinen Spaß, sich die Soundtracks anzuhören. Es sind viele Tracks dabei, die wirklich nur im Hintergrund Verwendung finden und nur zu der Filmszene passen. Ohne Film dagegen sind sie bestenfalls durchschnittlich. Und Ohrwürmer findet man bei sowohl bei HP 7.1 als auch bei Der Herr der Ringe nicht.

    Wie hat er dir so gefallen? Offenbar nicht sonderlich gut, denn HP 7.1 wurde in keiner deiner Kategorien nominiert … ?!

  8. graval says:

    Beim HdR-Soundtrack sehe ich es gleich wie du, im Film ganz toll und ein, zwei starke Themen, aber aktiv hören geht nicht. Den Score zu HP 7.1 kenne ich noch nicht, aber er war mir nicht so gut in Erinnerung geblieben, als dass er sich neben Avatar, Inception, Sherlock Holmes und Ponyo einreihen könnte. 😀

    Und mit „gefallen“ meinte ich eigentlich den Track von Nick Cave, der darum nicht in der Auswahl ist, weil er kein Original Soundtrack ist, sondern ein bereits vor dem Film bestehender Song. :/ Dabei ist dieser Song sooo schön 😀

  9. Lichtschwert says:

    Achso.
    Ich hab mir „O Children“ soeben nochmal (nur für dich! Fühl dich geehrt! Fühl dich geehrt!!! ;-)) angehört. Er ist sehr schön gesungen, und habe bis auf die Länge von 6.30 min und die in Relation zur instrumentalen Musik zu laute Stimme des Sängers nichts auszusetzen.

  10. graval says:

    Hui *geehrtfühl*. 🙂

    „bis auf die Länge von 6.30 min“
    Sagt einer, der sich Star Wars Themen von gefühlten 100 Minuten längen reinzieht 😛

  11. Lichtschwert says:

    Da hast du Recht. Allerdings wirkt die Melodie von „O Children“ auf Dauer eintönig. SW-Themes dagegen haben weder Refrain und – die meisten jedenfalls – keine sich ständig wiederholende Melodie. 😉

  12. graval says:

    Stimmt, ein bisschen eintönig wirkt es mit der Zeit wirklich. 🙂

  13. Raci says:

    Mein lieblings Potter Film! 1++ 🙂 ! Gute Arbeit Lichtschwert ;), wegen dir bin ich überhaupt ins Kino gegangen! Danke 🙂 !

    Manchmal wirkt der Film aber wie ein erwachsener Film, da das Trio schon apparieren kann Schade 😦 !

  14. Lichtschwert says:

    Hallo Raci und herzlich Willkommen auf meinem Blog.
    Tut mir Leid, aber dein Kommentar ist im Spamordner gelandet, ich habe ihn soeben erst „gerettet“.

    Es freut mich für dich, dass dir der Film ebenfalls sehr gut gefallen hat, und natürlich noch mehr, dass du ihn dir wegen mir angeschaut hast. 😉

    „Manchmal wirkt der Film aber wie ein erwachsener Film, da das Trio schon apparieren kann Schade 😦 !“
    Ja, die Harry-Potter-Reihe wurde stetig erwachsener, sowohl die Film- als auch die Romanreihe, was natürlich nicht wenig mit dem Alter der drei Protagonisten zutun hat.
    Und apparieren konnte ja – wenn ich mich nicht irre – nur Hermine; es wäre ein Wunder, wenn sie nicht auch das schaffen könnte. 😉

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