Was die Schule sonst so macht

Mittlerweile hat sich meine Laptop-Tastatur wieder von meinem mördermäßig, über 2.300 Wörter langen Artikel „Mass Effect 1 vs. Mass Effect 2 – Teil 1“ erholt. Drum nun ein kleiner Tagebucheintrag über meine schulischen Aktivitäten in letzter Zeit.

Vor gut zwei einhalb Wochen habe ich über mein Bastelprojekt mit dem Namen „Forest Gump“ berichtet. Am Donnerstag vor einer Woche haben wir das Feedback zu unseren Projekten erhalten, was für mich sehr positiv ausgefallen ist.

So habe ich als einziger meiner gut zehnköpfigen Gruppe die Note 1 erhalten, worüber ich schon ein wenig überrascht war. Da mir mein Projekt selbst nicht so gut gefallen hat und es im Vergleich zu den Projekten anderer ziemlich aus der Reihe tanzte, konnte und wollte ich mein Projekt ungern selbst einschätzen.

Meine Klassenkameraden/-innen haben meist Objekte mit hohem Dekoanteil gebaut, einige bestanden sogar fast überwiegend aus gekauften Dekorationsartikeln, was dem Lehrer wohl nicht gefallen hat. Er setzte da eher auf eigene Arbeit und die Kunst, aus wenig viel zu machen.
Seine Forderungen und Wünsche sah er in meinem „Forest Gump“-Gebilde erfüllt, und beurteilte, dass mein Objekt das einzige (aus meiner Gruppe) sei, das einen eigenen Stil verfolgt, eine klare Linie in Sachen Produktion und Darstellung besitzt und mit dem, was es hat, sehr gut auskommt. Während bei anderen viel Kunstefeu, Federn und Plastikvögel angebracht sind, überzeugt mein Konstrukt durch Reduktion und Schlichtheit.

Umso enttäuschender ist, dass „Forest Gump“ in meiner Gruppe ganz und gar nicht gut ankam. Es wurde wegen seiner Schlichtheit geradezu von einigen Leuten zerfetzt; Klassenkameraden/-innen bemängelten den Leerraum im Zentrum des Konstrukts und die fehlende „Füllung“. Lediglich eine sehr freundliche Klassenkameradin teilte das Urteil des Lehrers; eine andere nette gab „Forest“ eine 2; der Rest der eigentlich unnötig vergebenen Schülernoten bestand aus Dreiern, Vierern und dem Rest, wobei die schlechteren Noten überwiegend von meiner „geliebten“ Hassfeindin aus der Klasse kamen, deren Meinung und Einstellung mir gegenüber sich so oft wechselt wie vermutlich ihre Unterwäsche, was mir gehörig auf den Geist geht. Aber naja.

Themawechsel. Mein zweitverhasstes Fach ist Chemie, und in diesem sollen wir bis nächste Woche eine maximal fünf Seiten umfassende Hausarbeit abgeben. Mein Thema sind die Alkohole; wir konnten aus einer vorgegebenen Auswahl frei wählen, und weil ich dachte, dass da doch sicherlich noch was in meinem Kopf über Alkohole sein muss, da wir es in der neunten und zehnten Klasse zum Umkippen behandelt haben, entschied ich mich dafür.
Lange Zeit wusste ich nicht, wie ich da ran gehen sollte, bis ich es heute einfach mal getan habe und die Überreste meines alten Chemieordners rausgekramt habe. Aus diesem konnte ich sage und schreibe eine Information entwerten, nämlich, dass chemische Alkohole eine Hydroxylgruppe (-OH) besitzen. Den Rest habe ich aus Wikipedia und Google gesogen und so umschwafelnd wie möglich beschrieben, um auf eine akzeptable Seitenanzahl zu kommen.
Als angehender Gestalter habe ich natürlich auch viel auf’s Design geachtet. Mein Fokus lag dieses Mal auf der Reduktion, inspiriert durch den Designer Dieter Rams, über den ich an anderer Stelle bereits einen Bericht geschrieben habe.
Wer sich mal ein von ihm gestaltetes Buch(?)cover betrachten will: hier.

Und hier nun meine fünf Seiten umfassende Hausarbeit. Seite 1 · Seite 2 · Seite 3 · Seite 4 · Seite 5

Und wo wir grad bei Dieter Rams sind: zum Artikel, in dem ich über ihn berichte, habe ich ja bereits verlinkt. In diesem erwähne ich ein Video, das ich geschnitten habe und was sich um die Ausstellung seiner Werke dreht. Zu dem Video habe ich nun ebenfalls Feedback erhalten. Der Lehrer meinte, dass der Schnitt sehr gelungen sei (yeah!), er sich vorstellen kann, wie viel Arbeit dahinter steckt (yeah, yeah!), aber dass die Musik zu episch klinge für Bilder, die eigentlich ganz gewöhnlich ist (mäh). Die Musik, das super endgeile Stück Mass Effect: The End (Reprise), sei ihm zu sulzig und aufdringlich. Ich antwortete, dass mir die Musik sehr gut gefalle, und dass ich sie deshalb auch ausgewählt habe, doch er meinte, dass spätestens bei 0.39 min der Schmalztopf übergelaufen sei. Zu viel Pathos eben. Naja. Er hat das Spiel nicht gespielt, und weiß deshalb die Musik nicht so zu schätzen. Doch selbstverständlich habe ich ihm Recht gegeben und dafür auch gleich ein (ehrliches) Lob von einer lieben Klassenkameradin bekommen, die meine Kritikfähigkeit so toll fände. Hehe.
Nun denn. Ein weiteres Argument des Lehrers gegen die Musik war, dass es nicht zu Dieter Rams Reduktion passte. Rams, der Reduktion über alles setzte und mit seinem Gebrauch der wirklich nur notwendigsten Farben und Formen neue Maßstäbe setzte, und diese Musik, das gehöre nicht zusammen.
Recht hat er, der gute Lehrer, der zu meinen Lieblingslehrern zählt. Jedenfalls habe ich bereits ein alternatives Video erstellt, mit ruhigerer Hintergrundmusik, aber so richtig zufrieden bin ich mit der auch noch nicht. Nach Lust und Laune werde ich am Wochenende vielleicht noch ein zweites alternatives Video schneiden, vermutlich mit Alexandre Desplats Song New Moon: The Meadow aus der geliebten und gehassten Twilight-Saga.

 

Advertisements

6 Responses to Was die Schule sonst so macht

  1. graval says:

    „dass da doch sicherlich noch was in meinem Kopf über Alkohole sein muss, da wir es in der neunten und zehnten Klasse zum Umkippen behandelt haben“

    Ich höre… 😉

    Und ansonsten: Ich kenn da einige ganz gute Experimente mit Alkoholen 😉

  2. Lichtschwert says:

    Upps, das hat sich wohl etwas anders gelesen als gewollt, obwohl das mit dem Umkippen mit einem ironischen Hintergedanken geschrieben ist. 😉

    „Und ansonsten: Ich kenn da einige ganz gute Experimente mit Alkoholen“
    Ich habe da unterschieden zwischen dem genüsslichen Alkohol und dem chemischen Alkohol, welchen man nur für wissenschaftliche, ich wiederhole: nur für wissenschaftliche (!), Zwecke verwendet hat. 😀

  3. graval says:

    Nene, habs schon richtig gelesen, man kann da nur so schön was hinein interpretieren. 😉

  4. Lichtschwert says:

    Deshalb habe ich es ja auch so formuliert. 😛

  5. Wienerschnitzel says:

    Ich bin beim Forest Gump Projekt einer Meinung mit deinem Lehrer.
    Bin ein Fan von schlichten Sachen, dementsprechend schlicht waren auch immer meine Folien 😉

    Mit welchen Programm hast du deine Hausübung geschrieben?
    Die Schriftart schaut sehr nach Schreibmaschine aus ^^

  6. Lichtschwert says:

    „Ich bin beim Forest Gump Projekt einer Meinung mit deinem Lehrer.“
    Damit wärst du mit dem Lehrer, einem anderen Lehrer, den ich habe, und einer netten Klassenkameradin schon die dritte Person, die diese Meinung hat. Danke schön. =)

    „Mit welchen Programm hast du deine Hausübung geschrieben?“
    Mit dem Gestaltungsprogramm Adobe InDesign CS 3. Man verwendet das Programm üblicherweise für das Gestalten von Anzeigen etc. Mit ihm habe ich auch die ganzen Header, Kategoriengrafiken, KUB-Werbebilder (siehe rechts am Rand) und das ganze Zeug gemacht.
    Die Schriftart heißt Prestige Elite Std.

Hast du Senf dabei?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s