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In den letzten Wochen und Monaten schleuderte die Schule mit großen Projekten nur so um sich. Viele kleine Gruppenarbeiten und einige große Gruppenprojekte konkurrierten um den Status als zeitraubendstes Projekt. Die freien Nachmittage werden immer kürzer, die Wochenenden stressiger. Dies vergrößert nicht nur den Ehrgeiz, sich mit jedem neuen Projekt zu steigern, es verringert die Zeit, sich mit den vielen kleinen Dingen des (freien) Alltags beschäftigen zu können. Zu diesen „kleinen Dingen“ gehört nun mittlerweile leider auch der Weblog, dessen Status als großes privates Onlineprojekt mit wachsendem Inhalt und dem damit verbundenen Spaß in der optischen und geschriebenen Aufmachung zu eben jenen kleinen Dingen des Alltags geschrumpft ist.
Ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass hier in letzter Zeit (und wenn ich in meinen Kalender schaue, auch in kommender Zeit) eine Stimmung herrschte wie in den Steppen der Westernfilme, in denen die Heuhaufen durch’s Bild rollten.

Doch im Leben geht die Schule nunmal immer vor. Die wiederum wird in ein paar Jahren vom Beruf abgelöst werden. Wie auch immer. Oben habe ich bereits den Ehrgeiz erwähnt, sich selbst mit jedem schulischen Projekt zu steigern. Das ist natürlich nur möglich, wenn ein Projekt Spaß macht. Was wiederum zur Folge hat, dass man sehr viel Zeit darin investiert und man sein Bestes gibt, um eine grandiose Arbeit abzuliefern.

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Dieser Ehrgeiz, der in der Realschule angefangen hat, aber noch nicht allzu ausgeprägt war, erreichte in der 11. Klasse einen Höhepunkt, der bis jetzt ungebrochen ist. Das fing mit dem Englisch-Projekt im letzten Schuljahr an. Weiter ging es mit einem Bericht zum (noch lebenden) Designer Dieter Rams, der jahrelang für die Firma Braun tätig war. Vor den Sommerferien erhielten wir den Auftrag, eine Ausstellung über ihn zu besuchen und ein bis zwei Seiten über ihn zu schreiben. Nun, ich habe sie besucht, zwei Seiten darüber geschrieben und ein Video, bestehend aus geschossenen Fotos der Ausstellung, zusammen geschnitten.
Länge: 1.30 Minuten.
Prädikat: beeindruckend.
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Danach kam eine Präsentation im Fach „Betrachten und Bewerten von Kunstobjekten“. Es ging um das von mir gewählte Thema Tod. Da ich im letzten Ganzjahreszeugnis – also in der 11. Klasse – nur bei diesem Lehrer und seiner Frau (in Deutsch) eine 2 im Zeugnis hatte (der Rest waren Einsen), war der Ehrgeiz groß, mit eben jener Präsenation den Grundstein zu einer 1 im Zeugnis zu legen. Ich steckte sehr viel Schweiß und Zeit in diese Präsentation mit 24 Folien, und erstellte erneut in Video, das ich als Kunstwerk zu dieser Präsentation abgeliefert hatte (jeder Vortragende musste ein Kunstwerk abliefern).
Länge: 2.18 Minuten

Die Enttäuschung war groß, als ich „nur“ eine 2 mit Tendenz zur 1 bekommen hatte. Denn mehr Arbeit war einfach nicht möglich. Ich hatte mein Möglichstes gegeben und selbst das Lernen für zwei Klausuren (Mathe und Deutsch), die in der selben Woche geschrieben wurden, in der ich die Präsentation halten musste, vernachlässigt.

Nichtsdestotrotz habe ich in den beiden Klausuren Einsen geschrieben (die einzigen in der Klasse, übrigens), wofür ich mich abgrundtief vor meiner Klasse geschämt habe. Das erste Mal geschämt für gute Noten. Ich habe natürlich versucht, diese Noten so wenig wie möglich publik werden zu lassen. Nunja, am Ende hat es dann doch die halbe Klasse gewusst, weil mich mein Mathe-Lehrer wiedereinmal vor der Klasse überschwänglich gelobt hat … -.-

Neues Thema: vor ein paar Wochen habe ich des Öfteren ein Filmprojekt erwähnt, in das ich – wieder einmal – sehr viel Arbeit gesteckt habe. Es ging darum, einen Film für das Fach „Film“ (Kreativität, olé!) zu drehen. Es waren keine Vorgaben vorhanden, es sollte lediglich eine besondere künstlerische Arbeit darin stecken. Nun, das kann man nun sehr weit fächern, diese Vorgabe.
Als Mindestlänge wurden zwei bis drei Minuten angegeben, um zu zeigen, dass man sich mehr als nur einen Nachmittag mit diesem Projekt befasst hatte.
Nun, was wurde aus dem Film, den ich mit zwei Klassenkameradinnen gedreht hatte, in den ich all meine Erfahrungen mit vorherigen selbst gedrehten und geschnittenen Filmen gesteckt hatte?
Gestern war Vorführung. Es gab insgesamt sechs Gruppen, sprich sechs Filme. Als unser Film (Länge: 13.21 Minuten; somit längster Film der Klasse) als zweiter der Reihenfolge gezeigt wurde, haben wir den größten Applaus erhalten. Es fielen Sätze wie „nahezu perfekt“ und „jetzt brauchen wir die anderen Filme gar nicht mehr zu zeigen; der hier wird sowieso der beste sein“.
Insgesamt haben wir drei Teammmitglieder rund 75 Stunden an diesem Film gearbeitet.
5 Stunden auf ein Thema festlegen, Termine vereinbaren, Details besprechen.
20 Stunden Treffen für Drehen.
50 Stunden Schneiden und Brennen auf DVDs.

In unserem Film ging es übrigens um das Thema Kunst und was für uns drei Kunst ist. Jeder hat einen eigenen Filmteil erhalten und durfte inhaltlich alles einfügen, was man wollte, es durfte nur nicht zu lang werden. In meinem Part habe ich ganz kurz Architektur, Musik und Natur angesprochen. Hauptthema waren Spezialeffekte aus Filmen. Als Beispielwerke habe ich Star Wars und Avatar (YouTube-Video bereits entfernt) gezeigt.

Doch gestern sollte es nicht nur um die Präsentation der diversen Filme gehen. Die Klasse traf sich mit dem Film-Lehrer in einem Fernsehstudio, in dem wir auch eine eigene Studiosendung gedreht haben, die vom Lehrer bearbeitet/geschnitten wird und irgendwann ausgestrahlt wird. Vermutlich nachts um 02.00 Uhr, wenn unsere getreuen, schlafenden und in deren Sofas furzende Bierbauchmänner zuschauen werden.
Der Lehrer unterteilte die Klasse in vier Gruppen: Dekoration, Moderation, Technik und PowerPoint-Einblendungen. Für mich war die Technik-Gruppe interessant und ich meldete mich dafür an, stets die tollen 4:3-Analogkameras im Blick. Doch leider wurden nach kurzer Zeit bereits alle Kameraposten vergeben, und es blieben nur noch die Plätze im Regiezentrum, einem eigenen Zimmer mit Tonmischgeräten und allerlei anderem technischen Zeug. Als sich niemand für die (Bild-)Regie meldete, weil sie sehr komplex aussah, habe ich diesen Posten übernommen. Nicht wissend, dass dies der stressigste Job von allen ist.
Als Regisseur einer Studiosendung, die mit so wenigen Schnitten, Pausen und sonstigen Unterbrechungen wie möglich auskommen sollte (im Prinzip wie eine Livesendung, nur nicht live und dass wir notfalls Patzer herausschneiden können und/oder einzelne Szenen einfach nochmal drehen können), sitzt man vor insgesamt fünf kleinen Monitoren (drei für die einzelnen Kameras, einer für das im „Fernsehen“ gezeigte Bild, und ein Vorschaumonitor für Einblendungen wie „Max Mustermann – Moderator“. Außerdem steht vor dir ein mittelgroßer Apparat, mit dem du zwischen den einzelnen Kamerabildern switchen kannst, die Einstellungen der Einblendungen regulieren kannst und du hast ein Headset auf, über das du mit deinen Kameraleuten reden kannst. Diese waren übrigens nicht gerade erfreut, dass ich ihnen nicht sonderlich abwechslungsreiche Kameraeinstellungen „aufgezwungen“ habe. Doch wenn du nicht nur auf die diversen vor dir stehenden Apparate achten musst, sondern außerdem noch auf die Person rechts neben dir, die sich darum kümmert, dass alle Filme, die gezeigt werden sollen, abspielbereit sind, und auf die Person links neben dir, die sich darum kümmert, dass alle Einblendungen wie „Moderation“ bereit sind, zusätzlich noch auf das Gesprochene achten musst, damit du weißt, wann es angebracht ist, einen Kamerawechsel vorzunehmen und/oder Filme einzublenden, deinen Kameraleuten Anweisungen geben musst, was sie zu tun haben sowie deinen Kameraleuten Bescheid geben musst, wann du zu ihnen switchen wirst, bleibt dir keine Zeit, dir auch noch abwechslungsreiche Kameraeinstellungen einfallen zu lassen.
Jemand aus meiner Klasse meinte dann, dass vermutlich kein anderer diesen Job so hinbekommen hätte wie ich. So oder so ähnlich.

Die Studiosendung dauerte insgesamt 1.30 Stunden, heißt also 1.30 Stunden totale Konzentration und Anspannung.
Ich bin nun um eine Erfahrung reicher, denn Regisseur einer Sendung werde ich definitiv nicht. Zu viel Stress. Zu viel auf einmal. Zu viel Herzinfarktrisiko nach ein paar Jahren. Doch sollte es zu einer weiteren schulischen Studiosendung kommen, würde ich diesen Job liebend gerne ein weiteres Mal übernehmen. Denn Spaß war neben all der Anstrengung auch vorhanden. =)

Für die Zukunft steht übrigens ein weiteres großes Projekt an, das aber nicht den Umfang dieses Filmprojektes erreichen wird. Ein weiteres Englisch-Projekt muss ausgearbeitet werden, das ich wieder mit einer Klassenkameradin mache. Eine Webseite steht bereits, auch wenn sie noch ausgebaut werden muss. Eine PowerPoint-Präsentation ist geplant, und außerdem wieder ein Video, das im Anschluss an unsere Präsentation irgendwann im Dezember die Webseite vorstellen wird.

Das wird erneut ein Haufen Arbeit, der aber auch viel Spaß mit sich bringt.

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3 Responses to 100 3

  1. Wienerschnitzel says:

    Scheint als ob du gerne und sehr engagiert an die Projekte herangehst. 😉
    Ich mache zwar auch gerne Projekte da es eine Abwechslung zum stupiden Lernen ist, aber bin
    da leider nicht ganz so motiviert.
    Z.B: Ich muss im Moment ein Zahlrate-Spiel programmieren, welches ich nächste Woche abgeben muss.
    Es ist einfach zu machen und ich bin eigentlich auch schon lange fertig, aber für den letzten Feinschliff
    lasse ich mir zuviel Zeit. Bin daher (leider) noch nicht ganz fertig.

  2. Lichtschwert says:

    Wichtig an diesen 100%-geben-Projekten ist natürlich der Spaßfaktor. Der war bei den genannten Projekten vorhanden.
    Wie du dein Zahlrate-Spiel beschreibst, scheint der Spaßfaktor bei dir nicht ganz so groß zu sein. Keine Herausforderung, wenig Ehrgeiz. Aber das Gefühl, dass da noch was gemacht werden muss, kenne ich. Und vermutlich jeder andere Mensch auch.
    Wenn du Zeit findest, setz dich einfach dran. Auch wenn du echt keinen Bock darauf hast. Es ist nur der letzte Feinschliff, wie du geschrieben hast, den du aber hinter dir hast, sobald du dich ein letztes Mal daran gesetzt hast. Und neben dem zu bearbeitenden Feinschliff hast du auch den im Hinterkopf befindlichen Drang, noch etwas machen zu müssen, ein für alle Mal hinter dir.

  3. Wienerschnitzel says:

    Das stimmt, bei mir sind die meisten 100%igen Projekte private, weil ich mir das Thema wirklich selber aussuchen kann.
    Ich kann mich jetzt nur an 3 Projekte erinnern wo ich in der Schule wirklich mit Begeisterung dabei war. Matura-Projekt, ein Geschichtsreferat „Propaganda im 3.Reich“ und in Automatisierungstechnik „Crisp-Logic“. Bei den anderen hab ich nicht bzw nicht ganz 100% gegeben.

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