Tatort: Spargelzeit

Die Ehefrau des ortsansässigen „Spargelkönigs“ Martin Pütz wurde erstochen. Und ausgerechnet der Vater des Kommissars Thiel steht jetzt unter Tatverdacht. Oder ist er doch nur beim nächtlichen Spargelklauen erwischt worden?

Als Chefermittler greift Thiel erst einmal durch: Seinen alten Herrn schickt er in U-Haft. Und auch die Alleingänge von Rechtsmediziner Professor Boerne am Tatort verbittet er sich. Schnell stellt sich heraus, dass es um das Verhältnis der Dorfbewohner zu den Saisonarbeitern des Spargelhofs nicht sonderlich gut bestellt ist. Vor zwei Jahren war die Tochter des Hauses Julia Pütz von einem Unbekannten vergewaltigt worden. Seitdem stehen die polnischen und rumänischen Saisonarbeiter bei den Einheimischen des Vororts von Münster unter Generalverdacht … (Quelle: DasErste.de)

Quelle: MonstersAndCritics.de

Spargelzeit ist mein erster, zu Ende geschauter Tatort. Meine späte Premiere einer Tatort-Folge kann daran liegen, dass ich vom überaus veralteten Vorspann und dem sowieso recht fragwürdigen Omma-Image des Ersten abgeschreckt wurde. Da sieht man mal, wie der erste Eindruck und das Image über Erfolg und Misserfolg entscheiden können.

Jedenfalls wurde ich von dieser Tatort-Folge überaus positiv überrascht. Hat man erst einmal das Intro hinter sich, wird einem sofort eine kurze, aber heiße S*x-Szene gezeigt. Da bleibt man natürlich gerne in dem Fernsehkanal. In der Neugierde, wie es denn weitergeht mit der Geschichte nach dem darauffolgenden Mord an der Spargelhofsbesitzerin, bleibt man der Sendung auch weiterhin treu und wird von sehr lustigen und pointenreichen Dialogen zwischen den beiden Hauptpersonen – dem Ermittler und dem Leichensezierer – unterhalten.
Die stets ins Schwarze treffende Komik und die gegensätzlichen Stile der beiden Typen ersetzen die üblicherweise düstere Atmosphäre eines Krimis und bauen Spaß und Humor ein, ohne den Mord, den es aufzuklären gilt, aus den Augen zu verlieren.

Dass aber trotzdem nicht der Mord im Mittelpunkt steht, merkt man daran, dass der Täter/die Täterin recht offensichtlich war (ich zumindest habe ihn/sie nach nur 45 der 90 Spielminuten enttarnt! Man bedenke, ich als Tatort-Laie hätte den Fall schon nach der Hälfte der Zeit gelöst! *frohlocket-froh-jauchzet*). Doch das bewerte ich nicht allzu schlimm; die Spannung und die Frage nach dem Täter wird bravourös durch das Talent des Drehbuchautors, Witz, Situationskomik und Krimi perfekt zu vereinen, ersetzt.

Ein besonderer Schmaus für die Ohren waren so zum Beispiel die Kommentare des Leichensezierers Prof. Boerne, grandios gespielt von Jan Josef Liefers, dass der Verzehr des Spargels dem „Kleinen“ des Kommissars Thiel (Axel Prahl) sehr helfen würde, sollte er sich je wieder der Sonne zustrecken wollen. Die Antworten des sichtlich genervten Kommissars auf diese Sprüche scheinen Dr. Boerne recht wenig auszumachen, denn er schreitet unbeirrt weiter durch die Ermittlerwelt mit seinem allseits perfekt passenden Sacko und seinen vorzüglichen Sprüchen.

Gegen Ende hin verlegt sich der Fokus mehr auf das Lösen des Falls als auf das Einstreuen weiterer Jokes. Leider ist die Auflösung des Täters nicht sonderlich überraschend, was aber durch den Versuch des Ehemanns der Toten, sich selbst und den Geliebten seiner verstorbenen Frau umzubringen, fast wieder wett gemacht wird.

Quelle: MonstersAndCritics.de

Spargelzeit ist ein handwerklich perfekt inszenierter Krimi mit einem deutlichen Hang zur Komik, was ihn in meinen Augen auszeichnet. Die Frage nach dem Täter war für mich relativ einfach zu klären, was allerdings nicht allzu schwer ins Gewicht fällt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Teil der Unterhaltung, der durch Jan Josef Liefers‘ vorzüglichen Kommentaren entsteht.
4 von 5 Sternen.

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One Response to Tatort: Spargelzeit

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