Mass Effect 2

Nach der Zerstörung des Reapers Sovereign ist der Citadel-Rat der Ansicht, dass die Bedrohung durch die Reaper, die alle 50.000 Jahre das gesamte Leben im bekannten Universum auslöschen, gebannt ist. Obwohl Shepard als Retter der Galaxis gefeiert wird und als Augenzeuge weiß, dass die Reaper nicht so schnell aufgeben werden, schenkt man seinen Aussagen keine Beachtung.

Um die Bedrohung, die offiziell nur von Saren und den Geth ausging, endgültig zu vernichten, wird die SSV Normandy SR1 unter Shepards Kommando losgeschickt, um die letzten Nester des Geth-Widerstands aufzuspüren. Bei diesem Einsatz wird das Raumschiff trotz aktiviertem Tarnmodus von einem unbekannten Schiff angegriffen und zerstört. Commander Shepard, der den Großteil seiner Crew zur Flucht in den Rettungskapseln verhelfen kann, wird bei einer Explosion aus der stark beschädigten Normandy geschleudert und stürzt in die Atmosphäre eines naheliegenden Planeten … (Quelle: Wikipedia.de)

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Fast zwei Jahre mussten Fans auf das heiß ersehnte Sequel des beliebten Sci-Fi-Bestsellers Mass Effect warten. Nachdem der Erstling sich selbst mit Genrekollegen wie Star Wars messen konnte, waren die Erwartungen selbstverständlich hoch.
Tatsächlich wurden meine Erwartungen drastisch gesenkt, nachdem ich von der Ankündigung, der zweite Teil würde deutlich actiongeladener sein, erfuhr. Die Liste von verhunzten Nachfolgern mit dem Schwerpunkt auf Action und Spannung ist lang. Die Befürchtung, Mass Effect 2 könne bald ebenfalls zu eben jener Liste gehören, war nicht wirklich unwahrscheinlich.

Fakt ist, dass das Mass Effect-Universum auf Grund der in Mass Effect 2 vorkommenden Action erst so richtig aufblüht. Fort sind die elend langen Laufpassagen durch die trotzdem faszinierende Citadel, Heimatort von Millionen Galaxiebewohnern, in denen man sich nach dem Griff einer Laserpistole sehnt und gegen böse Kidnapper kämpfen kann. Fort sind stundenlanges Spielen ohne einen Hauch von Adrenalin.
In Mass Effect 2 hat man prinzipiell stets die Möglichkeit, in einen Kampf einzusteigen. Mit Action vollgepackte Nebenmissionen gibt es zuhauf. Sollte einem das die Spielzeit deutlich in die Länge ziehende Planetenscannen also an einem Tag zu langatmig werden, kann man sich für rund 30 Minuten in eine spannende Nebenmission werfen und den Blue Suns, dem Blood Pack oder anderen Verbrecherorganisationen den Kampf ansagen.

Wer nun glaubt, die Rollenspielelemente [Mass Effect (2) ist ein Shooter-Rollenspiel] kämen zu kurz, ist auf dem Holzweg. Allein die kinoreif inszenierten Dialoge bieten mehr Rollenspielelemente als manch anderes RPG (Role Playing Game). Neben den Entscheidungen, den Gegenüber zum Freund, Feind oder neutraler Person zu machen, gibt es nun auch die Möglichkeit, einen Dialog abrupt zu beenden. Sei es, dem Gegenüber auf Grund übermäßiger Frustration eine reinzuhauen oder ihn in den Arm zu nehmen, sollte es um emotionale Dinge gehen.

Das übermäßig große und unüberschaubare Waffen- und Rüstungsset des ersten Teils wurde vollkommen überarbeitet. Man schleppt nicht mehr sieben Mal das gleiche Sturmgewehr mit. Pro Waffenkategorie (Blaster, Sturmgewehr, Scharfschützengewehr, Schrotflinte) gibt es ca. zwei Waffenarten. Einzig und allein bei der neu eingeführten Waffenkategorie „Schwere Waffen“ kann man aus ca. acht verschiedenen Waffen wählen – z. B. dem Raketenwerfer, einem Gegnereinfrierer oder Granatwerfer.
Meines Erachtens wurde das Waffen- und Rüstungsset zu stark komprimiert. Früher gezeigte Details der Waffen wie etwa Treffsicherheit und Stärken/Schwächen werden verallgemeinert, sodass man bei zwei unterschiedlichen Waffen, die beide „stark gegen Panzerung und Schilde, aber schwach gegen die Gesundheit“ sind, nicht weiß, welche man nun nehmen soll. Da sehnt man sich doch lieber nach den detaillierten Diagrammen aus dem ersten Mass Effect. Auch die zahlreichen sehr gut gestalteten Rüstungen aus dem ersten Teil sucht man hier vergeblich. Zwar kann man seine Rüstung farbig ein wenig aufpeppen, aber im Prinzip hat man leider nur eine Panzerung, die es mit diversen Gürteln, Handschuhen, Helmen etc. aufzurüsten gilt.
Ebenfalls neu eingeführt ist die Munition, die eigentlich gar keine ist. „Thermomagazine“ heißen nun die kleinen Packs, die jede Waffe zum Abfeuern braucht. Diese sollen das Überhitzen von Waffen, bekannt aus Mass Effect 1, verhindern. Man braucht keine Angst zu haben, im Kampf auf einmal nicht mehr feuern zu können. Man hat noch fünf weitere Waffen, mit denen man ebenfalls schießen kann. Und überhaupt keine Munition mehr zu haben, ist eigentlich unmöglich.

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Schlimmstes Manko der Entwickler an Mass Effect 2 ist die nicht mehr so spannende Story. Der gleich zu Beginn vorkommende Angriff einer unbekannten Spezies auf die Normandy, Flaggschiff von Commander Shepard (dem Spieler), und dem damit verbundenen Tod des Hauptcharakters ist das einzig spannende, was man in den ersten Stunden von der Handlung mitbekommt. Ab Shepards Wiederbelebung und seiner Begegnung mit dem „Unbekannten“ (im Englischen wesentlich cooler als „The Illusive Man“ bekannt) setzt die Story mehrere Spielstunden aus, bis sie wieder phänomenal mit dem Angriff der Kollektoren auf Horizon wieder einsetzt.
Allgemein kann man sagen, dass die Geschichte von Mass Effect 2 viele Höhen und Tiefen hat. Sie kommt leider nicht an die kinoreife Handlung des Erstlings heran und weiß auch nicht so gut zu überzeugen. Die Angriffe auf die Kolonien werden auf das Konto der Reaper, Erzfeind der Galaxis, geschoben, allerdings ohne nennenswerte Beweise. Bis man herausfindet, dass es tatsächlich die Reaper sind, die Hunderttausende Menschen entführen, dümpelt die Story so vor sich hin. Wer nun hofft, zumindest ein gewaltiges und episches Finale geliefert zu bekommen, wird auch hier vehement enttäuscht. Der Endkampf sieht zwar spitze aus (so wie auch der Rest des Spiels) und lässt sich als Drehbuch sicherlich auch klasse lesen, kommt aber leider viel zu kurz aus. Mit nicht einmal 90 Minuten hat man das Selbstmordkommando geschafft (ob nun lebendig oder eben nicht). Die letzten Szenen auf der Citadel in Mass Effect 1 waren wesentlich länger und atemberaubender. Zu wissen, dass man sich so lange auf ein „Selbstmordkommande“ vorbereitet und dieses in nicht einmal 90 Minuten zu Ende bringt, lässt einen ganz schön verzweifeln. Die gesamte Spielzeit betrug bei mir satte 63 Stunden und 43 Minuten. Dagegen wirken die 90 Minuten Selbstmordkommando + Abspann wie ein zarter Aufguss.

Nichtsdestotrotz weiß die Geschichte durch sehr ernste Themen und deren professionelle Umsetzung sehr zu überzeugen. Brutalität, Sklavenhandel, Diskriminierung und (Menschen-)Feindlichkeit sind fester Bestandteil einer jeden (Neben-)Mission, die es zu beseitigen gibt. Mass Effect 2 nimmt sich diesbezüglich auch sehr ernst, und das zurecht. Kein anderes mir bekanntes Spiel schafft es, solch wichtige Themen aufzugreifen, ohne dabei zu tief ins Genre Horror und FSK 18 zu gleiten.

Bleiben wir bei der Story. Auch wenn Mass Effect 2 der Nachfolger von Mass Effect 1 ist (schlaue Erkenntnis, was?), merkt man nur selten, dass man auch beim Erstling wichtige Entscheidungen treffen konnte/musste. Im Erstling nämlich muss man sich beispielsweise auf dem Planeten Virmire entscheiden, welches Gruppenmitglied man zurücklassen und damit dem Tod überlassen muss. Zur Auswahl standen die beiden Allianzsoldaten Kaidan Alenko und Ashley Williams.
Es hieß, Mass Effect 2 werde große Rücksicht auf die Entscheidungen nehmen, die im Erstling getroffen wurden. Man merkt dies allerdings nur selten, denn anstelle in Mass Effect 2 beispielsweise im Prolog zu entscheiden, wen man in den Tod geschickt hat, wird einem hier die Entscheidung einfach abgenommen: Kaidan Alenko wurde zurückgelassen und Ashley Williams überlebte. Ähnliche Beispiele werden Aufgeklärte und Fans zuhauf finden. Weitere aufzuzählen, würde aber den Rahmen sprengen.

Leider wurde auch bei der bereits oben erwähnten faszinierenden Citadel sehr viel gekürzt. Gab es in Mass Effect 1 noch viele, wenn auch vielleicht zu viele Szenen auf der Citadel, verkommt sie im zweiten und etwas düsteren Teil zu einem unwichtigen Nebenschauplatz. Vom Citadelrat, der über sämtliche wichtigen Belange der Galaxis entscheidet, bekommt man nichts zu sehen. Es heißt, er wolle mit Shepard einfach nicht reden. Das ist schwach. Denn ein wenig Politik sollte auch in einem actiongeladenen Spiel erwünscht sein.

Technisch gesehen ist Mass Effect 2 eine Wucht. Selbst mit guter bis mittelmäßiger Hard- und Software spielt sich das Spiel fließend, ruckelfrei und ohne Makel. Mein i5-650-Prozessor und meine ATI-Radeon-HD-5770-Grafikkarte, beides keine nennenswerten Hardwarehighlights, kamen mit dem Spiel einwandfrei klar. Ladezeiten wurden vehement verkürzt. Diese sind zwar noch recht lang, aber bei dem, was geboten wird, auch verständlich und akzeptabel.
Der Sound mag an die von der Grafik gelegte Messlatte nicht so recht herankommen. Wer sich ins Sci-Fi-Universum begibt, wird unfreiwillig mit Größen wie Star Wars verglichen; und an Ben Burtts und Matthew Woods tontechnische Leistungen im Bereich Sternensaga kommt Mass Effect 2 leider nicht heran.
Auch der faszinierende Soundtrack von Jack Wall aus dem ersten Teil, der zwar nur aus technischen Klängen besteht, aber trotzdem den Flair der Zukunft gekonnt und massentauglich einfängt, findet im zweiten Teil leider nur noch einen gebrochen Schatten seiner selbst. Auch hier legte zwar Jack Wall Hand an, doch die wahren Highlights sind nur die wiederverwendeten Themes wie die der Galaxy Map.

Zuletzt möchte ich auf das Universum der Mass Effect-Trilogie eingehen. Dieses fasziniert mich nämlich bald mehr als das sogenannte Erweiterte Universum von Star Wars. Während Letzteres sich mehr auf Ereignisse und deren Helden/Schurken spezialisiert, geht Mass Effect ziemlich stark auf die Technik, Logik und den Umfang des Universums ein. Futuristische Technologien wie die Biotik, die Überlichtgeschwindigkeit oder die Massenportale werden gekonnt, detailliert und überzeugend sowohl im sogenannten Kodex, einem Nachschlagewerk, als auch in der Story beschrieben. Wer das Star Wars-Universum liebt, wird sich bei Mass Effect von Anfang an zu Hause fühlen, zumal es in Mass Effect eine weitaus realistischere Zukunft als in der allseits bekannten Sternensaga gibt.
Details wie unterschiedliche Gravitationen, Atmosphären und Faunen auf den diversen Planeten werden wesentlich stärker berücksichtigt als in Star Wars, in dem scheinbar jeder zweite Planet bewohnbar ist und dieser auch von nahezu jeder Spezies bevölkert werden kann. Dagegen werden in Mass Effect sogar solch biologische Themen wie rechts und links drehende Aminosäuren der verschiedenen Spezies aufgegriffen. Ihr werdet erstaunt sein, wie viel Wissenschaft in nur einem Videospiel stecken kann. Es scheint, als wären neben Bioware auch die NASA und Einrichtungen wie das Robert-Koch-Institut beteiligt gewesen.

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Mass Effect ist ein gigantisches Projekt. Neben den Videospielen werden Comics, Actionfiguren und sogar Romane veröffentlicht. Der zweite Teil der Videogamereihe jedenfalls verspricht ein furioses Finale der Trilogie. Für den dritten Teil, der Ende 2011/Anfang 2012 erscheinen soll, erhoffe ich mir eine kinoreifere und überzeugendere Story. Die nämlich reißt die Bewertung von Mass Effect 2 gehörig nach unten, ist doch der wohl wichtigste Bestandteil eines Rollenspiels die Geschichte.
Knappe 4 von 5 Sternen erhält der professionelle zweite Teil der Mass Effect-Trilogie.

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3 Responses to Mass Effect 2

  1. graval says:

    Für welche Konsolen gibts denn das Spiel genau? Also auch den ersten Teil?

  2. Lichtschwert says:

    Entschuldige die Verspätung, aber in letzter Zeit komme ich zu rein gar nichts … 😕 😦

    Teil 1 gab’s erst für die X-Box 360, ein halbes Jahr später dann für PC, dafür mit ein paar Fehlerbehebungen.
    Teil 2 kam gleichzeitig für X-Box 360 und PC Ende Januar raus. Solltest du die X-Box oder einen gut funktionierten PC (und ich meine keinen Mac) haben, kann ich dir beide Teile empfehlen. Als SW-Fan fühlt man sich sofort heimisch, man kann sich aber auch als Neuling gleich damit anfreunden. Du musst nur viel Geduld mitbringen. Solltest du (positive) Erfahrungen mit KOTOR gemacht haben: greife ohne Bedenken zu.

  3. Pingback: Mass Effect 1 and Mass Effect 2 still effect with a massive effect on me « Lichtschwert's Blog

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