Mass Effect 2: Overlord

Als Shepard eine Cerberus-Forschungsbasis untersuchen soll, nachdem der Kontakt zu ihr aus ungeklärten Gründen abgebrochen ist, muss er bei seiner Ankunft feststellen, dass die Basis von Geth überrannt wurde. Der einzige Überlebende, der wissenschaftliche Leiter Archer, erzählt eine düstere Geschichte: ein Experiment zur Fusion eines menschlichen Freiwilligen mit einer virtuellen Intelligenz hat einen gefährlichen Hybriden hervorgebracht, den “VI-Overlord”. Die außer Kontrolle geratene VI hat bereits drei andere Cerberus-Basen angegriffen und übernimmt jede Technologie, die sie findet – um sich endgültig zu befreien und Geth auf dem ganzen Planeten freizusetzen. Falls es Shepard nicht gelingt, das Bollwerk der VI zu infiltrieren und sie abzuschalten, wird diese mörderische Intelligenz den Planeten verlassen und andere Systeme ins Chaos stürzen … (Quelle: Social.BioWare.com)

Mass Effect 2: Overlord

Mit Overlord bietet BioWare eine mit Potenzial hochgradig ausgestattete Geschichte, die man so ähnlich zwar schon in zahlreichen Nebenmissionen (in Mass Effect 1) erlebt haben dürfte, nicht jedoch in diesem zeitlichen Umfang von rund 2,5 Stunden. Beschränkten sich bisherige Nebenmissionen auf wenige Spielminuten, gibt sich BioWare mit Overlord die Chance, einem solchen Thema mehr Tiefe zu verleihen, indem man beispielsweise ethische Diskussionen über derartige Forschungsprogramme mit Virtuellen Intelligenzen und menschlichen Testsubjekten aufführt, um so natürlich auch erneut auf die Radikalität von Cerberus hinweisen zu können.

Leider lässt sich jedoch feststellen, dass BioBare dieses Potenzial nicht einmal ansatzweise ausnutzt. Dass die Hintergrundgeschichte, Details zum Forschungsprojekt und der Kontakt zu menschlichen Überlebenden – genauer dem einzigen Überlebenden – auf das Nötigste reduziert werden, lassen darauf schließen, dass man bei Overlord die Mühe auf die kurzfristig spannenderen und actionreicheren Passagen gelegt hat. Diese kommen auch definitiv nicht zu kurz, man kann BioWare jedoch auch keinen Vorwurf machen, aus Overlord einen reinen Shooter-DLC gemacht zu haben. Schießeinlagen werden gut dosiert eingestreut und führen ein gelungenes Wechselspiel mit den atmosphärisch wieder einmal sehr starken in Form von fesselnden Levels. So durchstreift man neben einer wunderbar gestalteten Gartenwelt mehrere Forschungsstationen und sogar ein abgestürztes Gethschiff, das ebenfalls als Forschungsbasis fungiert. Als Transportmittel hat man sich übrigens für den Feuergänger entschieden, jenen ebenfalls downloadbaren Gleitpanzer, der im gleichnamigen DLC von vor einigen Jahren kaum die ihm zustehende Größe erlangt hat.
Dies ändert sich in Overlord – nun kann man den wendigen Panzer bis an seine Grenzen hin ausreizen.

Zurück zur Geschichte, die im Negativen überraschend sehr dialogarm daherkommt. Zwar bekommen Testsubjekt David und Forschungsleiter Archer eine schon fast kinoreife Charakterausleuchtung; bis es aber zu dieser kommt, kann sich der Spieler durch zwei handlungstechnisch tiefen- und einfallslose Stunden spielen, in denen selbst die VI als Bösewicht zu keiner größeren Rolle kommt als zu einer laut nervenden Bildschirmübertragung.

Hat man in Versteck des Shadow Broker die ein oder andere Handlungslücke gekonnt durch Dialoge mit der kurzfristigen Begleiterin Liara T’Soni überbrücken können, bleiben auch die üblichen Gespräche mit den Teamkameraden aus.

Mass Effect 2: Overlord

Unter’m Strich bietet Overlord oberflächlich gesehen stimmige Unterhaltung, gedanklich gefordert wird der Spieler hier jedoch nicht. Das fabelhafte Finale kann so einige Schwächen wie etwa die mehreren PC-Abstürze ausbügeln, vermag jedoch nicht die zuvor zwei Stunden lange Handlungsflaute wieder gut zu machen. Der Übergriff des VI-Virus’ auf Shepards Bewusstsein kommt überraschend daher und ist eine weitere DLC-Neuerung, die zwar das Gesamtspiel bereichert, leider aber durch fehlende Monologe Shepards enttäuscht.
Overlord kann mit der letzten halben Stunde das Ruder herumreißen und sich auf knappe 3 von 5 Sternen retten.

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8 Antworten auf Mass Effect 2: Overlord

  1. Lukas sagt:

    Wenn dir das story- und hintergrundstechnisch schon gefallen hat, dann freu dich schonmal dollestens auf Teil 3 :D

  2. Lichtschwert sagt:

    Nein, diese beiden Dinge haben mir ja eben nicht gefallen.

  3. Lukas sagt:

    Hm, du erwähntest doch, dass BioWare “eine mit Potenzial hochgradig ausgestattete Geschichte” gebracht hat, sie nur nicht optimal umgesetzt hat. Oder ist das jetzt was Schlechtes?

  4. Lichtschwert sagt:

    Wenn du in einer Deutsch-Abschlussprüfung die Beziehungen zwischen verfeindeten Nationen bringst – Beispiel: Syrien und die der Vereinigten Arabischen Emirate – diese aber nur oberflächlich behandelst und Nebendetails auslässt, dann hast du sowas wie Overlord. :-P
    Ja, das war negativ gemeint.

  5. Lukas sagt:

    Ahhh ja :D
    Aber, wenn das negativ gemeint war, warum beschreibst du dann, dass sie eine hochgradig mit Potenzial ausgestattete Geschichte reingepackt haben? Daran kann ich beim besten Willen nichts Negatives erkennen, es ist eigentlich eine 100%ig positive Aussage. Und da ich ja der Meinung bin, dass es in ME3 etwas Ähnliches gibt, es in dem Fall nur sehr gut umgesetzt wurde, sehe ich meine Annahme immer noch als korrekt an :D

  6. Lichtschwert sagt:

    Weil die Geschichte lediglich das Potenzial mitbringt, dieses aber nicht genutzt wird. Du kannst ja auch ‘nen Haufen Kohle haben und das aus dem Fenster schmeißen, und hast damit auch “eine mit Potenzial hochgradig ausgestattete” Möglichkeit (die Welt zu verbessern?) ungenutzt gelassen.
    Was ich damit meine, ist, dass BioWare eine Geschichte liefert, die die Chance hat, etwas Großes zu sein/zu werden, und so weiter, dies aber nicht wird.

    Aber weißt du was? Kauf dir doch einfach den DLC, dann weißt du, was ich meine! :-D

  7. Lukas sagt:

    Ja, ich habe eher das Gefühl, du verstehst nicht ganz worauf ich hinaus will und daher reden wir etwas aneinander vorbei :D
    Ich sagte doch, dass ich das verschenkte Potenzial ja nachvollziehen kann und dass in ME3 eine sehr ähnliche Geschichte vorkommt (no spoiler!), die das Potenzial imo sehr gut nutzt und dass du dich daher auf diesen Teil – im Gegensatz zum ja anscheinend eher mittelmäßigen DLC – freuen kannst ;) Jetzt verstanden? :D

  8. Lichtschwert sagt:

    Aha. Das klang aber im Kommentarverlauf nicht so. ;-) Nun habe ich aber das Gefühl, dass du mich jetzt verstehst, was zur Folge hat, dass auch ich dich jetzt verstehe. :-P

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